SUPERSTAR Madonna : Göttinnendämmerung

Was war das neulich für ein Hauen und Stechen, als Madonnas zwölftes Studioalbum „MDNA“ gewogen und für zu leicht befunden wurde. „Disco- Funkenmariechen“ („Spiegel Online“) war fast noch eine der netteren Verbalinjurien gegen den größten weiblichen Popstar aller Zeiten. Der Kollege vom „Spiegel“-Printbereich befand, Madonna fahre ihre Songs „fürchterlich laut gegen die Wand“. „Üblen, vor allem aber verbrauchten Ibiza-Strand- Sound“ mit dem „Nachgeschmack von billigem Sangria und aufsteigender Magensäure“ hörte der Rezensent von „Jetzt.de“. Und selbst die Madonna wohlwollend gesonnene Tagesspiegel-Musikredakteurin Nadine Lange konstatierte traurig, dass der verzweifelte Versuch der 53-Jährigen, wieder ein Dance-Girlie zu sein, ihrem Status als feministischer Ikone abträglich sei.

Wer aber denkt, geballte Negativwerbung würde sich bremsend auf den Kartenverkauf für Madonnas Tournee auswirken, sah sich getäuscht: Das erste Konzert in Berlins größter überdachter Konzertarena war nach wenigen Tagen so gut wie ausverkauft, für den rasch angesetzten Zusatztermin sind auch nur noch Restkarten zu haben. Gut 35 000 Menschen wollen das Disco-Funkenmariechen also allein auf einer von über 80 Stationen ihrer Welttournee sehen, da ist von der viel beschworenen Göttinnendämmerung nicht viel zu merken. Madonna mag als Künstlerin in einer immer stärker fraktionierten Popwelt nicht mehr die universelle Zustimmung früherer Tage auf sich ziehen, als Marke im Popgeschäft hat sie nach wie vor wenig Konkurrenz zu fürchten.Jörg Wunder

O2 World, Do/Sa 28./30.6.,

20 Uhr, 58-196 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!