Zeitung Heute : Suppe essen

Wie eine Partygängerin Berlin erleben kann

Christine Lang

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Suppe essen ist bekanntlich für Partygänger eine traditionelle Sonntagsbeschäftigung. Nach durchzechten Nächten und Missbrauch von anderen Genussmitteln bekommt man ja kaum etwas anderes runter. Vor einigen Jahren konnte man jedoch höchstens beim Türken um die Ecke eine Linsensuppe bestellen – was auch nicht ohne Schwierigkeiten war, versuchen Sie mal das Wort „Linsensuppe“ mit schwerer Zunge auszusprechen…

Vor einiger Zeit wurde jedenfalls der Zusammenhang zwischen Suppe essen und Partykultur von dynamischen Jungunternehmern entdeckt. In Berlins Club-Vierteln findet man nun an jeder Ecke einen Suppenladen, und Berliner Szenemagazine bringen extra Suppenküchen-Ausgaben auf den Markt. Die Suppe hat ihr karitativ-diakonisches Image verloren und ist hip. Und noch moderner ist es, wenn in einem Suppenladen ein Nachwuchs-DJ Downbeat und Elektro-Listening auflegt, zu dessen Beats man eben seine Suppe löffeln kann.

Eigentlich habe ich ja gar nichts gegen die Musik, nichts gegen Suppen, und auch nicht gegen Jungunternehmer; letzte Woche war ich selber mal in einem „Suppenclub“. Das Intersoup hat vor vier Monaten in Prenzlauer Berg eröffnet. Die Karte ist nicht umfangreich, empfohlen wurde mir die Haus-Suppe „Intersoup“, die der thailändischen Suppe Tom Kah Gai ähnlich in vier Varianten angeboten wird. Die Suppe mit Tofu war sehr lecker. Der Laden war so gut besucht, dass wir nur noch Platz am Tresen bekommen haben - dessen Höhe aber gar nicht so schlecht für das Suppe schlürfen ist. Das Intersoup ist ein Selbstbedienungsladen (das heißt nicht mehr, als dass man vorher zahlt) mit vorwiegend sehr jungem Publikum. Die Einrichtung ist so ähnlich wie in der Wohnzimmerbar am Helmholtzplatz um die Ecke: Sessel und Stühle wirken wie vom Trödler in Neukölln zusammengesucht. Und auch das Verhältnis von Preis und Menge der angebotenen Cocktails ist auf jugendliches Publikum ausgerichtet: Der Watermelon-Man kostet nur vier Euro, ist riesig – und dabei köstlich. Im Intersoup legen täglich wechselnde DJs auf. Die Anlage ist leider nicht besonders, das ist ja in den meisten Bars so. Es ist geht dabei eher um den repräsentativen Luxus einer lebendigen Musikbox. Das sehen aber nicht alle so.

Neulich habe ich DJ Bob kennen gelernt. Er zählt zu den dienstältesten Berliner DJs, und er legt regelmäßig am ersten Wochenende des Monats im Intersoup auf. Er sieht es als Möglichkeit, die beste Musik aus allen Genres aufzulegen. In einer Bar ist man nicht gezwungen, die Leute am Tanzen zu halten, man kann also das Tempo ständig wechseln oder durch eine breit gefächerte Auswahl Beziehungen zwischen unterschiedliche Stilen herstellen. Für uns wird es bestimmt interessant, wenn Bob seine großen Plattenarchive durchforstet und sie präsentiert. Und: Ich nehme meine Bemerkungen über Nachwuchs-DJs und Musikboxen zurück, denn Bob habe ich schon mal im Club for Chunk erlebt, und das war wirklich gut.

Intersoup, Schliemannstraße 31, Mo-Sa 12-4 Uhr und Sonntag 10-4 Uhr. Morgen, Samstag ab 21 Uhr: DJ Bob.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!