SYMPOSIUM„Zwischen Collage, Remix, Plagiat“ : Schreib mich ab

Foto: Juergen Bauer

Der englische Dichter John Donne wusste schon vor vier Jahrhunderten, dass es mit der unangefochtenen Originalität des Individuums so eine Sache ist. In der 17. seiner „Meditationen“ erklärt er: „Die Menschheit ist das Werk eines einzigen Autors, und es ist ein einziger Band; wenn ein Mensch stirbt, wird nicht ein Kapitel aus dem Buch gerissen, sondern in eine bessere Sprache übersetzt.“ Obwohl sich das heute eher mit den Genen als mit dem lieben Gott begründen lässt, gilt es doch, ins Kulturelle gewendet, auch für die absolute Einzigartigkeit künstlerischer Hervorbringungen. Alles ist, in den Begriffen unserer Zeit, auf gewisse Weise „Collage, Adaption, Remix, Plagiat“ – ein „Schreiben unter Einfluss“, das die Literaturtage des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung nun zum Thema eines zweitägigen Symposions machen.

Sie tun es mit Autoren wie Thomas Meinecke, Ann Cotten, Ginka Steinwachs oder Kathrin Röggla (Foto), die aus der Not – mit unterschiedlichen Akzenten – eine Tugend gemacht haben. Während Harold Bloom mit seiner Theorie von der „Anxiety of Influence“ noch die Idee vertrat, dass große neue Texte nur in der kämpferischen Überwindung anderer großer Texte entstehen, schrieb Jonathan Lethem mit seinem 2007 in „Harper’s“ erschienenen Essay „The Ecstasy of Influence“ das Manifest eines produktiven Plagiierens – mit nichts als geschickt montierten Zitaten aus fremden Federn. In diesem Licht wird Anne-Kathrin Reulecke wohl auch den Fall von Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ beleuchten. Was ist geistiges Eigentum? Damit beschäftigt sich am Freitagabend ein Panel unter der aparten Überschrift „Déjà lu“. Gregor Dotzauer

Literaturhaus Berlin, Fr 6.7., 14.30 Uhr, Sa 7.7., 14 Uhr, Eintritt frei, Info: www.literaturhaus-berlin.de

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