SYNTHIE-POPHeaven 17 : Fortschrittmacher

Jörg W erD

Jeden Tag werden sie mehr: junge Künstler, die sich furchtlos in den Achtziger-Jahre-Wirbel werfen. Ob Hot Chip, Fever Ray, Phoenix, Yeah Yeah Yeahs, La Roux, Yeasayer oder Goldfrapp, ohne stilistische Verweise auf das Jahrzehnt der hochgetuffelten Föhnfrisuren und wattierten Schulterpolster kommt das zeitgenössische Pop-Hipstertum nicht aus. Angesichts dieses auch kommerziell durchaus relevanten und schon seit Jahren stabilen Revival-Phänomens kommen nicht wenige Aktivisten von damals wieder aus den Löchern gekrochen, in der berechtigten Hoffnung, ein wenig an diesem Nachruhm ihrer goldenen Vergangenheit mitverdienen zu können.

Vor allem bei Konzerten hängt der Erfolg natürlich auch vom Erhaltungszustand der Protagonisten ab. Denn niemand möchte sehen, wie die Helden der Jugend langsam dem körperlichen Verfall preisgegeben sind. Somit haben gut konservierte Altpopper wie die unlängst wiedervereinten Spandau Ballet zwar leichte Vorteile gegenüber ehrlichen Malochern wie Heaven 17, die keinen Hehl aus ihrem Alter jenseits der 50 machen. Doch obwohl den Synthiepop-Schrittmachern aus Sheffield mit Ian Craig Marsh der dritte Mann abhandenkam, darf man bei Glenn Gregory (Foto, links) und Martyn Ware (rechts) davon ausgehen, dass sie ihr Handwerk immer noch verstehen. Dies umso mehr als der innovative, hyperintelligente Meta-Pop ihrer bahnbrechenden Alben „Penthouse and Pavement“ und „The Luxury Gap“ immer noch absolut großartig klingt. Und ein Song wie „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ hat nach 30 Jahren nichts von seiner gesellschaftspolitischen Brisanz eingebüßt.Jörg Wunder

Postbahnhof, Fr 26.3., 20 Uhr, 30 € +VVK DZ667

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