Zeitung Heute : Täglich NRW (12)

Jürgen Zurheide[Düsseldorf]

Für Rot-Grün in NRW keimt ein Hoffnungspflänzchen: Die Umfragedaten bessern sich. Vieles hängt jetzt vom zweiten TV-Duell ab. Wie haben sich die Spitzenkandidaten darauf vorbereitet?

Mit Autosuggestion und guten Worten.

Wenn es eine Inszenierung gewesen wäre, könnten die Sozialdemokraten mit einem Oscar rechnen. Am Wochenende vor dem entscheidenden zweiten Fernsehduell zwischen Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers lieferte die ARD eine Umfrage, die das Herz der gebeutelten Genossen reichlich wärmte. Demnach gewinnt ihr Kandidat satte zwölf Prozentpunkte hinzu und kommt jetzt auf 52 Prozent im direkten Vergleich zu seinem CDU-Herausforderer, den nur 30 Prozent der Menschen wählen würden, wenn sie den Ministerpräsidenten des Landes bestimmen könnten. Die SPD hat aus dieser Vorlage eine eingängige Zeile gemacht: Rüttgers und die CDU sind angeschlagen, haben die Wahlkampfplaner der SPD getextet. Und hinzugefügt, das sei deshalb der Fall, weil ihr Kandidat das erste TV-Duell am 5.Mai gewonnen habe. Die zweite Auseinandersetzung werden sowohl der WDR als auch das ZDF an diesem Dienstag um 21 Uhr senden.

Im Hintergrund verbreiten die Steinbrück-Berater Beispiele aus der Wahlkampfgeschichte und verweisen etwa darauf, dass der Brite John Major trotz eines satten Vorsprungs seines Labour-Konkurrenten Neil Kinnock die Wahl 1992 noch in den letzten Tagen gedreht hat, weil er bessere Auftritte im Fernsehen und auf den Plätzen des Landes hatte. Mit solchen Beispielen zeigen die Sozialdemokraten zwar auch, dass sie außer ihrem Spitzenkandidaten nicht viel zu bieten haben, aber diese Gefahr nehmen sie in Kauf, weil sie nach 39 Jahren die Macht im größten Bundesland verlieren könnten.

Bei der CDU reagiert man zurückhaltend auf alle Anfragen zum zweiten Duell. „Wir bereiten uns nicht besonders vor, Jürgen Rüttgers war doch gut beim ersten Aufeinandertreffen“, heißt es in der CDU-Zentrale. Während die Internetseite der SPD fast ausschließlich über das TV-Ereignis berichtet, hält man sich bei der Union zurück, es gibt nur einige wenige Zeilen mit dem Datum und den Verweis auf eine eigene Umfrage, demnach hat ihr Kandidat das erste Duell mit mehr als 71 Prozent gewonnen. Offiziell relativiert man das und spricht von einem „Unentschieden“, zumal man längst die Umfragen der Sender zur Kenntnis genommen hat, die Steinbrück mit 48 zu 24 Prozent deutlich vorne sahen.

Nicht alle aus den eigenen Reihen haben im Übrigen die Versuche des CDU-Generalsekretärs für glücklich gehalten, diese Zahlen anschließend zu bekritteln, zumal diese Kritik weiter Anlass für ausgiebige Berichterstattung in den regionalen Zeitungen gewesen ist und Rüttgers dabei keine guten Noten bekam.

Während die Union davon ausgeht, dass ihr Spitzenmann auch im zweiten Duell eher die moderaten Töne anschlagen wird, haben einige aus dem SPD-Lager versucht, Peer Steinbrück zu bremsen. „Er braucht zwar am Anfang die eine oder andere Attacke, um auf Betriebstemperatur zu kommen, aber danach sollte er Rüttgers nicht ganz so oft unterbrechen wie im ersten Duell“, haben sie ihm geraten, er selbst hat sich das angehört und sich trotzdem vorgenommen, nicht allzu viel zu ändern.

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