Zeitung Heute : Täglich NRW (23)

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Als Sportminister hat der Grüne Michael Vesper sich viel Anerkennung erworben. Was könnte der Regierungswechsel für das Sportland NRW bedeuten?

Die Wahl in NordrheinWestfalen war eine vorgezogene Bundestagswahl – auch für den Sport. Die letzte rot-grüne Koalition auf Landesebene hat auf dem kleinen, aber prestigeträchtigen Feld der Sportpolitik gute Ergebnisse vorzuweisen, die ihr bei der Wahl aber nichts nützten.

NRW ist ein Sportland, nicht nur wegen der höchsten Profifußball-Dichte der Republik. In 20000 Vereinen sind mehr als fünf Millionen Mitglieder registriert. Der stellvertretende Ministerpräsident Michael Vesper von den Grünen errang als verantwortlicher Minister für den Sport viele kleine Erfolge. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern blieb der Sport in NRW weitgehend von Haushaltskürzungen verschont, Spitzenverbände konnten im Land gehalten werden. In Bonn wurde die Nationale Anti-Doping-Agentur aufgebaut, in Köln die Sporthochschule als nationaler Thinktank erhalten. Schnell ließ die traditionelle Scheu des organisierten Sports vor Politikern der Bündnisgrünen nach. „Herr Vesper hat erkannt, wie wichtig der Sport für das persönliche Profil eines Politikers sein kann“, lobt der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen. Sogar der CDU-Sportexperte im Bundestag Klaus Riegert kann sich ein Kompliment nicht verkneifen. Aus dem Munde des politischen Konkurrenten klingt das so: „Herr Vesper ist bei den Sportministerkonferenzen nicht negativ aufgefallen.“

Sportfans an Rhein und Ruhr können sich auf viele Großveranstaltungen freuen. In Mönchengladbach entsteht gerade ein neues Hockeystadion für die Weltmeisterschaft 2006, die Weltreiterspiele finden im gleichen Jahr in Aachen statt. Die Fußball- WM wird unter anderem in den neuen Arenen in Dortmund, Gelsenkirchen und Köln ausgetragen – ein Drittel aller WM-Spiele finden dort statt. Bei der Vorauswahl für die Olympischen Spiele 2012 überzeugte die Region mit einem zwar weitläufigen, aber originellen Viel-Städte-Konzept. Für die Bewerbung hielten sogar die sonst verfeindeten Kölner und Düsseldorfer zusammen und schimpften vereint auf den großen Konkurrenten Hamburg. Doch schließlich gewann Leipzig die Vorauswahl. Als Trost hat sich NRW die World Games gesichert, die Weltspiele der nichtolympischen Sportarten. Sie finden im Juli in Duisburg statt und gelten hier zu Lande neben dem Konföderationen-Pokal als wichtigstes Sportereignis in diesem Jahr.

Wie die christlich-liberale Koalition in NRW die Sportpolitik verbessern will, ist noch unklar. Ein sportpolitischer Sprecher ist bisher nicht benannt, der bisherige Zuschnitt des Ministeriums für Städtebau, Kultur, Wohnen und Sport steht zur Disposition. Gerüchten zufolge ist der abgewählte Gelsenkirchener Oberbürgermeister Oliver Wittke (CDU) als Minister im Gespräch, ihm wird Sympathie für den Sport nachgesagt. Im Wahlprogramm hat sich die CDU bislang zurückgehalten, konkret hat sie einen Ausbau der Sport-Eliteschulen versprochen.

Viel wird die neue Regierung nicht anders machen müssen. Das könnte einer neuen Bundesregierung unter Führung der Union ähnlich gehen. Denn zur Überraschung von Fachleuten und Funktionären hat der Sport bei Rot-Grün viele Fürsprecher gefunden. Nun muss er sich neue suchen, vielleicht nicht nur in NRW.

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