Zeitung Heute : Tage des Zorns in Kairo

Vier Tote bei Protesten gegen Militärrat.

Verletzt. Ein Demonstrant wird von seinen Mitstreitern aus der Kampfzone in der Nähe des ägyptischen Innenministeriums in Kairo getragen. Foto: Reuters
Verletzt. Ein Demonstrant wird von seinen Mitstreitern aus der Kampfzone in der Nähe des ägyptischen Innenministeriums in Kairo...Foto: Reuters

Kairo - Chaos und Gewalt in Ägypten: Nach den tödlichen Ausschreitungen bei einem Fußballspiel spitzt sich die Lage in Kairo und anderen Städten dramatisch zu. Bei Protesten gegen den regierenden Militärrat kam es nach dem Freitagsgebet erneut zu heftigen Ausschreitungen. In Kairo stürmte eine wütende Menge ein Gebäude der Steuerbehörde. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen flogen Brandbomben. Auch in Alexandria und Suez, wo in der Nacht zwei Menschen getötet worden waren, gab es erneut Proteste. Vier Menschen kamen bei den Krawallen ums Leben. Zwei von ihnen erstickten nach dem Einatmen von Tränengas.

Zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei kam es insbesondere in der Nähe des Innenministeriums in Kairo. Hunderte Menschen versammelten sich dort und forderten den Rücktritt des Militärrats und Gerechtigkeit für die Menschen, die bei den Gewaltexzessen nach dem Fußballspiel in der Stadt Port Said am Mittwoch getötet worden waren. Nach Angaben von Staatsmedien wurde bei Krawallen am Freitagmorgen ein Demonstrant von einem Gummigeschoss tödlich getroffen. Ein Soldat starb demnach, als ein Militärfahrzeug ihn überrollte. Mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden, darunter auch 16 Soldaten, die mit Schrotkugeln attackiert worden seien.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über die Gewalt. „Wir rufen in aller Form Ägypten dazu auf, die Umstände und die Hintergründe dieser Welle von Gewalt aufzuklären und auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“, sagte er in München. Der Fahrplan für den Demokratisierungsprozess, der Präsidentschaftswahlen Ende Juni vorsieht, müsse eingehalten werden. Nach dem Drama von Port Said hatte die Polizei 53 Verdächtige festgenommen. Menschenrechtler sprachen von „willkürlichen Festnahmen“. Viele der angeblichen Aufrührer seien unschuldige Jugendliche. Tsp/dpa/AFP

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