Zeitung Heute : Tagesspiegel Online

Urban Media GmbH

Es ist ein Jammer. Alle Verlage haben halbfertige und fertige Projekte in der Schublade. Schöne, interessante Konzepte sind dabei. Aber keiner traut sich aus der Deckung zu gehen, anzugreifen, etwas zu riskieren. Kein Geld, keine Anzeigen. So lautet die Standard-Entschuldigung. Keine Frage, den Verlagen geht’s zurzeit nicht sonderlich gut. Jene Blätter, die sich vorwiegend über Anzeigen finanzieren, leiden unter der Flaute. Und jene, die vom Verkauf leben, leiden an Auflagenrückgängen. Der Euro sei schuld, heißt es. Das ist der Grund, wieso auf dem „Bild“-Logo seit Wochen der Verkaufspreis von 45 Cent in Münzen dargestellt ist.

Einer traut sich jetzt aus der Deckung. Klaus Helbert heißt er, in Wiesbaden sitzt er, und seit Donnerstag ist er nach mehrmonatiger Pause zurück im Printgeschäft. „x-news“ kostet einen Euro, erscheint wöchentlich, startete mit einer Million Exemplaren, wird bei Springer in Spandau gedruckt, von einer WAZ-Firma vertrieben und erscheint vierfarbig im „Bild-am-Sonntag“-Format. Anzeigen gibt es–abgesehen von solchen für Sex-Hotlines–praktisch keine. Damit wird Helbert gerechnet haben. Ein Markenartikler würde in dem Umfeld sowieso nicht werben.

Herausgeber von „x-news“ ist Manfred Meier. Er war früher Unterhaltungschef von „Bild“ und bekannt dafür, darüber zu schreiben, was er abends in der Hamburg-Pöseldorfer Promi-Kneipe „Zwick“ gehört hatte. Das war dem neuen „Bild“-Chef Kai Diekmann ein bisschen zu wenig. Seitdem arbeitet Meier nicht mehr bei „Bild“. Doch Klaus Helbert, der seine Leute öfter mal nachts aus dem Bett klingelt, sah in Meier den richtigen Mann. Was mag sich Helbert bei „x-news“ gedacht haben?Klatsch, verlassene Gattinnen, verliebte Politiker und Luder sorgen zurzeit für Auflage. Und mit Sex hat sich der „ Coupé“- und „Blitz-Illu“-Erfinder schon einmal eine goldene Nase verdient. Der Bauer- Verlag, der früher nur eine Beteiligung an den Helbert-Titeln hielt, schämte sich zwar immer ein bisschen dafür (einmal musste Helbert bei Stellengesuchen in einer Zeitung deshalb das Bauer-Logo entfernen). Aber für die Gewinne, die Helbert einfuhr, hat sich Bauer nie geniert. Dann hat Bauer die Helbert-Blätter ganz übernommen.

Nun macht Helbert wieder auf Verleger. Er greift von ganz unten an:„Bild“-Leser sind ja auch nicht mehr die jüngsten. Und selbst wenn da mal ein Höschen oben auf Seite1 gezeigt wird:Kein Mensch muss sich bücken, um „Bild“ zu kaufen. Oder „ Bild“ gar verschämt in ein anderes Blatt einrollen, so wie das früher der Fallwar. Ulrike Simon

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!