Zeitung Heute : Tagungshotels: Konzentriertes Tagen im Grünen

Harald Olkus

Idyllischer geht es kaum noch. Von der Terrasse des neugotischen Herrenhauses im Tudor-Stil blickt man über baumbestandene Wiesen, die sanft zum Langen See hinabfallen. Außer an einer kleinen Badestelle ist der See ringsum mit Schilf und Rohrkolben bestanden. "Und bei schönem Wetter kann man hier draußen unter der alten Rotbuche tagen", sagt Hotelleiterin Ursula Hahn. Seit drei Jahren leitet sie zusammen mit Sabine Kirstein das von der Brandenburgischen Schlösser GmbH aufwendig sanierte Schloß Reichenow bei Strausberg. Im Sommer ist es der romantischen Kulisse wegen ein beliebter Ort zum Heiraten, in den anderen Jahreszeiten sind die meisten Wochenenden für Tagungen ausgebucht.

Im Schloßhotel finden nicht die großen Kongresse mit mehreren hundert Teilnehmern statt, sondern eher kleinere Meetings und Feiern einzelner Abteilungen oder des Managements. "Häufig buchen die Unternehmen unser ganzes Hotel für ein Wochenende", sagt Ursula Hahn. Das denkmalgeschützte, ehemalige Herrenhaus der Familie von Eckardstein mit vielen Türmchen und Zinnen hat vier Konferenzräume mit kompletter Tagungstechnik, ein Restaurant, zwei Gruppenräume und 20 Zimmer zum Übernachten. Im Gewölbekeller befindet sich eine rustikale Wirtschaft und ein Wellness-Bereich mit Kosmetikabteilung, Sauna, Solarium und Massageraum.

"Tagungshotels im Grünen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei den Unternehmen", sagt Christian Tänzler, Pressesprecher der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB). Die Häuser im Umland profilieren sich gegenüber den zudem oft ausgebuchten Berliner Hotels mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten und einer Abgeschiedenheit, die die Konzentration und den Teamgeist der Tagungsteilnehmer fördert.

Brandenburgs Übernachtungsgewerbe ist mit 31 Prozent der Betten eher schwach ausgelastet. Zum einen seien aber Zuwächse gegenüber den Vorjahren zu verzeichnen, sagt Christian Tänzler, zum anderen seien gerade Tagungshotels überdurchschnittlich ausgelastet. Dabei scheinen sich mit Potsdam und Cottbus zwei Zentren herauszubilden. Denn allein in der Landeshauptstadt haben sich neun Hotels auf den Tagungsbereich spezialisiert. In Cottbus und seiner unmittelbaren Umgebung sind es immerhin fünf Häuser.

Zu den großen Tagungshotels im Land Brandenburg gehört das auch Seminaris Seehotel in Potsdam. Mit 327 Betten und 32 verschiedenen Tagungsräumen, die 20 bis 500 Personen Platz bieten, hat es sich auf internationale Tagungen spezialisiert, mit Kongressgästen aus Europa, den USA und Australien. "In der Umgebung Berlins gibt es nur wenige Hotels mit einer solch umfangreichen Tagungstechnik, wie wir sie bieten", sagt Hotelleiter Hartmut Pirl. Alle Räume sind vernetzt, somit ist Computer Based Training möglich, außer ins Internet können sich die Tagungsteilnehmer auch in ihr firmeneigenes Intranet einloggen. Für sein umfangreiches Freizeit- und Wellnessangebot wurde das Seminaris Seehotel im Mai als bestes "Tagungshotel zum Wohlfühlen" in Brandenburg ausgezeichnet, deutschlandweit rangiert es auf Platz fünf. Im Haus gibt es Schwimmbad und Solarium und zur Entspannung Tai Chi sowie eine Bowlingbahn. Auf dem Templiner See vor dem Hotel können die Tagungsteilnehmer Kanu und Wasserski fahren, segeln oder surfen.

Die Freizeitangebote scheinen neben dem eigentlichen Tagungsgeschehen einen immer wichtigeren Stellenwert zu bekommen. Die Ansprüche der Gäste steigen. Tagen mit Wasseranschluss bietet zum Beispiel die Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang bei Rheinsberg. Das vor einem Jahr eröffnete Hafendorf wirbt "mit nordischem Ambiente und mediterranem Flair". Um ein künstliches Hafenbecken am Hüttenkanal, der den Großen Pälitzsee und den Kleinen Prebelowsee miteinander verbindet, hat der dänische Architekt Christian Geertsen einen Marktplatz, Restaurants, ein Erlebnisbad sowie ein Hotel mit überdachter Piazza und Konferenzräumen für 300 Personen gruppiert. Um den Ortskern herum sind in mehreren Ringen 75 Ferienhäuser angeordnet. "Die Tagungsgäste können bei uns entweder im Steigenberger Hotel wohnen und tagen, oder sich ein Ferienhaus mieten", sagt Empfangsleiter Mario Nitschky. "Unsere Stärke sind die vielfältigen Wassersportmöglichkeiten", meint er. Die Tagungsteilnehmer können sogar Yachten chartern.

Besonders auf gruppendynamische Aktionen angelegt ist das Conference Hotel Döllnsee in der Schorfheide. "Wir sind das einzige Hotel mit einem Outdoor-Kletterseilgarten", sagt Hoteldirektor Knut-Philip Möller. Der "Adventure Team Train", mit dem das Hotel zusammenarbeitet, kümmert sich speziell um die Entwicklung des Teamgeistes der Tagungsgäste. "Die Freizeitmöglichkeiten werden im Tagungsbereich immer wichtiger", meint auch Möller. Denn die Firmen gehen zunehmend dazu über, ihre Tagungen auf das Wochenende zu verlegen, um möglichst wenig Arbeitszeit zu verlieren. "Dann müssen die Tagungen für die Mitarbeiter aber auch einen gewissen Freizeitwert haben." In der Schorfheide gibt es neben reichlich Wald und Seen, wo das Adventure Team Mountainbike- und Canadier-Rennen organisiert, auch einen ehemaligen Flugplatz der Sowjetarmee, auf dem Automobilfirmen Events, wie Fahrsicherheitstrainings und Vergleichsfahrten abhalten.

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