Zeitung Heute : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Man verfängt sich leicht im ausgeklügelten Abwehrnetz der Franzosen. Die Spanier haben dies im Achtelfinale leidvoll erfahren, obwohl der Ball eigentlich gut durch ihre Reihen lief. Die Franzosen ließen sie nur bis zu einem gewissen Punkt kombinieren. Wenn sich ein Spieler dem französischen Tor näherte, bemühten sich Claude Makelele und Patrick Vieira, ihn schon vor der Abwehr abzufangen. Meist gelang das. Das ist ein wichtiger Grund, warum die französische Defensive in den bisherigen Spielen nur wenige klare Torchancen der Gegner zugelassen hat. Sie wird auch von den Brasilianern nur schwer auszuspielen sein. Das Spiel wird ein steter Kampf um die Kontrolle im Mittelfeld sein – offensivere Brasilianer gegen die eher defensiven Franzosen. Die Brasilianer spielen mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler. Fällt der angeschlagene Emerson aus, wird er durch Gilberto Silva ersetzt. Allerdings hält sich Zé Roberto mit Vorstößen zurück. Heute wäre das ratsam, denn er trifft auf Franck Ribéry, der mit seinen Vorstößen sehr gefährlich ist. Aus der Tiefe organisiert Vieira das Spiel, der wie Zidane immer wieder versucht, mit weiten Pässen den einzigen Stürmer Henry einzusetzen. Der ist oft auf sich allein gestellt und muss den Ball halten, bis die Mittelfeldspieler nachgerückt sind. Diese Taktik setzt darauf, dass Henry, Zidane, Vieira oder Ribéry bei einem der kontrollierten Angriffe eine außergewöhnliche Aktion gelingt, die das Spiel entscheidet. Das ist vom französischen Trainer Raymond Domenech so gewollt. Auch die Brasilianer werden heute auf große Momente ihrer Stars statt auf schöne Kombinationen setzen. Gezwungenermaßen.

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