Zeitung Heute : Talent, Können, Name

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Es ist ja keineswegs so, dass die Schauspielkunst sich ihren Weg durch den jeweiligen Menschen ganz von selbst bahnt und auf der Bühne plötzlich zum Ausbruch kommt. Vielmehr führt ein langer Weg dorthin, gesäumt von Übungen und Rollenstudien, Absagen und, äh, Absagen. Dann und wann ein Vorsprechen, gewürzt mit pampigen Bemerkungen im Bohlen-Stil, „der Kerl klingt ja wie Kermit, der Frosch. Wie war gleich der Name?“

Matthes, Ulrich Matthes. Nicht dass er wie Kermit, der Frosch, klänge, obwohl er zweifellos so klingen könnte, wenn es notwendig wäre. Aber das führt hier ohnehin zu weit, denn der Name ist ja Matthes, und das ist zweifellos insofern ein Schauspielername, als man ihn sich merken kann. Nie würde es ein Gebhard Postenhuber-Schacherstein über den Status eines Komparsen hinaus schaffen, nie ein Karlheinz Al-Sawahiri bei der Suche nach dem Trend-Hamlet der neuen Generation in die engere Wahl kommen. Ulrich Matthes schon: Talent, Können, Name.

Günter Matthes, sein Vater, ist kein Schauspieler geworden, hatte aber, wie wir Altgedienten wissen, durchaus die entsprechenden Anlagen. Sein minimalistisches, unwissentlich vom method acting beeinflusstes Augenbrauenhochziehen hätte allein ausgereicht, einen Mythos zu begründen, der Robert de Niro vom Teltower Damm, so in der Richtung. Es hat dann alles in eine andere Richtung geführt, zum Tagesspiegel, wie wir wissen. Und dazu, dass ganze Heerscharen von jungen Berlinern, die Matthes, Mathes, Mattes oder, ja, Matthies hießen, immer wieder gefragt wurden, ob sie denn mit diesem Günter Matthes verwandt seien.

Ulrich Matthes ist das vermutlich ebenfalls passiert, mehr oder weniger täglich. Nicht auszuschließen, dass er jedes Mal „Aber klar, super, mein Alter!“ gerufen hat, aber das passt nicht so ganz in sein Persönlichkeitsbild. Wahrscheinlicher, dass er sich zur Verstellung gezwungen sah, dass er mit dem Satz „Günter Matthes, ja, das werde ich öfter gefragt, ja, keine Ahnung…“ den Grundstein für seine spätere Karriere legte.

Ach, bei der Gelegenheit: Eva Mattes ist etwas älter, dafür fehlt ihr ein H. Bedeutende Begegnungen von Eva Mattes und Ulrich Matthes auf deutschen Bühnen haben offenbar bislang nicht stattgefunden. Ob das mit der zu großen Ähnlichkeit der Namen zusammenhängt? Eva Mattes hat es übrigens in die Königsklasse der deutschen Schauspielerei geschafft, sie ist Tatort-Kommissarin. Ulrich Matthes ist keiner. Obwohl er einen ungeheuer abgründigen, stechend blickenden Schnüffler hinlegen könnte. Kommt noch, ganz sicher. „Mein Name ist Matthes, Ulrich Matthes.“

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