Zeitung Heute : Taliban töten zwei deutsche Soldaten

Bei Selbstmordanschlag im Norden Afghanistans sterben auch fünf Kinder

Berlin - Nur wenige Tage nachdem der Bundestag ein neues Mandat für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan erteilt hat, sind am Montag bei einem Selbstmordanschlag im Norden des Landes zwei deutsche Soldaten getötet worden. Wie der Gouverneur der Provinz Kundus, Engineer Mohammed Omar, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte, seien bei der Detonation des Sprengsatzes außerdem fünf spielende afghanische Kinder ums Leben gekommen. Zwei weitere Kinder und zwei deutsche Soldaten der von der Nato geführten Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) seien verletzt worden. Durch den Anschlag stieg die Zahl der seit Beginn des Einsatzes 2002 ums Leben gekommenen Bundeswehr-Soldaten auf 30.

Das Verteidigungsministerium in Berlin erklärte bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nur, dass gegen 10 Uhr 30 MESZ (13 Uhr Ortszeit) bei Kundus ein Anschlag auf eine Bundeswehr-Patrouille verübt worden sei. In der Vergangenheit hat das Ministerium Opfer unter deutschen Soldaten offiziell erst bestätigt, wenn deren Angehörige benachrichtigt werden konnten. Nach Informationen des Tagesspiegels unterbrach Verteidigungsminister Franz Josef Jung seinen Urlaub. Die Nato bestätigte am Nachmittag den Tod von zwei Isaf-Soldaten.

Der Anschlag, zu dem sich die radikalislamischen Taliban im Internet bekannten, ereignete sich nahe der Stadt Kundus im Distrikt Tschahar Dara. Wie der Gouverneur sagte, habe sich ein Attentäter auf einem Fahrrad neben einem Konvoi der Bundeswehr in die Luft gesprengt. In Tschahar Dara war zuletzt Ende August ein deutscher Soldat gestorben, als sein Patrouillenfahrzeug auf eine Sprengfalle fuhr. Tschahar Dara und die Stadt Kundus sind die zwei gefährlichsten Distrikte in der Provinz Kundus. Sicherheitsexperten erklären die angespannte Lage vor allem mit dem Verweis auf den hohen Anteil Paschtunen in der Bevölkerung der beiden Regionen. Die Taliban sind eine ausschließlich paschtunische Bewegung. Viele Paschtunen akzeptieren traditionell keine fremden Soldaten, auch nicht, wenn sie als Helfer aktiv sind.

Wie die dpa berichtete, kam am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul auch eine britisch-südafrikanische Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation ums Leben. Sie wurde auf offener Straße erschossen. Die Frau habe für die internationale Organisation Serve gearbeitet, sagte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums. Sie sei zu Fuß auf dem Weg ins Büro gewesen, als die Angreifer von einem Motorrad aus das Feuer auf sie eröffnet hätten. Die Taliban teilten auf ihrer Homepage mit, ihre Kämpfer hätten eine Ausländerin getötet, die das Christentum gepredigt habe. „Sie wurde lange Zeit verfolgt und heute endlich bestraft.“ In der Vergangenheit verübten die Taliban ähnliche Anschläge von Motorrädern aus in der südafghanischen Stadt Kandahar.

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