Zeitung Heute : Talwärts in der Plastikkugel

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Österreich hat immer Saison. Immer mehr Urlauber aber wollen dort offenbar Schneeluft schnuppern. Während 1990 / 91 nur 39 Prozent der Gäste im Winter kamen, waren es zehn Jahre später schon 46 Prozent. Die vergangene Wintersaison, so bilanzierte Emanuel Lehner, Leiter der Österreich Werbung in Berlin, war ohnehin ein voller Erfolg. Viel Sonnenschein und hervorragende Schneeverhältnisse bis in den April hinein hätten der Alpenrepublik das beste Ergebnis in ihrer Tourismus-Geschichte beschert. Mehr als 55 Millionen Übernachtungen, so viele wie nie zuvor in einer Wintersaison, wurden registriert.

Begründet wird dieses Resultat, das die Österreicher in der kommenden Saison "mindestens zu halten" hoffen, mit der "hohen Qualität", die man Urlaubern mittlerweile anbiete. Liftanlagen seien modernisiert worden, Hotellerie und Restaurants gewappnet für anspruchsvolle Gäste. Hier trage man dem veränderten Reiseverhalten Rechnung. Die Urlauber buchen eher einen kürzeren Aufenthalt, lassen sich den aber mehr kosten. Ein Grund dafür, dass die Umsätze in den österreichischen Wintersportorten in der vergangenen Saison um acht Prozent gestiegen sind.

68 Prozent der Winterreisenden kommen, um Ski zu fahren. Der Rest favorisiere einen "sanften Winter", den man mit entsprechenden Unterhaltungsangeboten garniert. Schneeschuhwandern und Pferdeschlittenfahrten gehören dazu, "romantischer Hüttenzauber" und immer mehr Wellness. Selbst Golfer sollen ihr Vergügen haben: Abschlagen und einputten an vereisten Seen werden beworben.

Vor allem Jugendliche aber will man verstärkt auf die Pisten bringen. "Denn", so Lehner, "wer bis 14 das Skifahren nicht gelernt hat, tut sich später schwer damit." So hat das Land unter dem Motto "Abfahren auf Österreich" einen Ratgeber für Schülergruppen aufgelegt, in dem man erfährt, wie und wo man in der Region "heiß auf Schnee und Eis" werden kann. Einfach auf zwei Brettern hinabschwingen wäre da nicht hip genug. Skispringen für Anfänger und Snowboarding werden ebenso angeboten wie die Tour mit dem Snowbike, eine Art Fahrrad oder Zorbing, wo man in einer doppelwandigen Plastikkugel eine flache Piste hinunterschwingen kann.

Dass sich "normale" Skifahrer von solchen Extravaganzen gestört fühlen könnten, steht nach Ansicht der Österreicher nicht zu befürchten. Es sei Platz für alle da. Dies dürfte vor allem außerhalb der Feriensaison gelten, wenn Österreich mit Sonderangeboten punktet. In Obertauern etwa kann man in der Zeit vom 23. November bis 23. Dezember sowie vom 12. Januar bis 3. Februar für 500 Euro eine Woche in einem Vier-Sterne-Hotel mit Halbpension inklusive Skipass Urlaub machen. In der Region Hochkönig (Salzburger Land) ist eine Woche Aufenthalt inklusive Skipass ab rund 290 Euro buchbar.

Die ohnehin preisgünstige Region Lammertal-Dachstein West lockt Ski-Anfänger gar mit einem ungewöhnlichen Erfolgsversprechen. Wer nach drei Tagen immer noch nicht auf zwei Brettern sicher den Hang hinunterkommt, darf sich das Geld für Skikurs und Liftkarte zurückholen. Damit das nicht passieren kann, setzen die Orte Abtenau, Russbach und St. Martin auf das "Funk-online-Training". Wer beim Schwung patzt, werde vom Skilehrer sofort über Kopfhörer korrigiert.

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