Zeitung Heute : Tanz unterm Sternenhimmel

Im Publikum Albert und Caroline von Monaco: Wie die UdK Berlin mit dem Ballet de Monte Carlo kooperiert

Claudia Assmann

Wann hat man schon einmal einen Prinzen zu Gast? Und am nächsten Tag gleich die Prinzessin hinterher? Auch für den künstlerischen Leiter des Monaco Dance Forum und des Ballet de Monte Carlo Jean Christophe Maillot gehört es nicht zur Tagesordnung, dass Albert von Monaco und Prinzessin Caroline gleich an zwei Abenden hintereinander im Publikum sitzen. Der Abend „Two Pieces + Two“, der im Juli 2010 auf den Casino-Terrassen in Monte Carlo zur Uraufführung kam, kombiniert zwei Stücke von jungen Choreografen der Ballets de Monte Carlo mit Arbeiten von jungen Berliner Choreografinnen. Die Kostüme und Bühnenbilder schufen Bühnenbild-Studierende der UdK Berlin und der Ecole Supérieure d'Art Plastique (ESAP) aus Monaco. Eine der Choreografinnen, Jana Unmüßig, studiert am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz (HZT) der UdK Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin Choreografie und präsentierte mit ihrem Stück „Zausend.Hoch.“ gleichzeitig ihre Masterarbeit. Die andere, Anna Melnikova, lebt und arbeitet in Berlin und schloss vor zwei Jahren ihr Choreografiestudium ab.

Der vierteilige Tanzabend eröffnete den letzten Teil eines großen Tanzfestivals und bildet gleichzeitig den Beginn einer Zusammenarbeit zwischen der UdK Berlin, der ESAP und dem Ballet de Monte Carlo. Gut zwei Jahre ist es her, dass die Direktorin der Kunsthochschule in Monaco Isabelle Lombardot an den Studiengang Bühnenbild der UdK Berlin herantrat. „Wir sind sehr interessiert am Austausch mit anderen künstlerischen Hochschulen, und die UdK ist natürlich sehr weit oben auf der Liste der Schulen, mit denen wir gerne zusammen arbeiten möchten“, kommentiert Lombardot. „Hier in Monte Carlo kooperieren wir viel mit Maillots Kompanie. So war sehr schnell klar, dass sie auch für unser Projekt mit im Boot sein würde.“ Die Idee stieß schnell auf Interesse beim Studiengang Bühnenbild der UdK Berlin, geleitet von Professor Hartmut Meyer. Es ist die erste Zusammenarbeit im Bereich Tanz. Anna Bergel, künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin und selbst ehemalige Tänzerin, nahm gemeinsam mit ihrem Kollegen Oliver Brendel das Projekt in die Hand, und im Frühjahr 2008 kam es zu einem ersten Treffen. „Es hat sofort gefunkt“, erinnert sich Anna Bergel. „Wir hatten so viele gemeinsame Ideen, und es war klar, dass wir unbedingt etwas auf die Beine stellen wollen.“ Und dieses „Etwas“ wurde dann im Verlauf der Planungen sehr groß. „Isabelle Lombardot, Ivana Ivana Milovic La Fata von der ESAP und ich haben gemeinsam das Projekt entwickelt und es anschließend dem Monaco Dance Forum vorgestellt“, erzählt Anna Bergel. „Maillot hat dann eingewilligt, es genau so zu machen. Das war ein großer Vertrauensvorschuss. Es die ungeheure Wertschätzung der künstlerischen Arbeit aller Beteiligten – und eben auch der Studierenden und der jungen Choreografen seiner eigenen Kompanie.“

Die Welten, die hier aufeinander treffen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite die klassische Ästhetik einer Tanzkompanie der Spitzenklasse, auf der anderen Seite der zeitgenössische Ansatz der jungen Berliner Künstler. In „Zausend.Hoch.“ verweigert sich die Choreografin konsequent der Geste und lässt die Tänzer Ma'ayan Danoch, Cecilia Nilsson, Tara Silverthorn und Charlie Fouchier mit dem Bühnenbild der UdK-Studentinnen Mirella Oestereicher und Hsuang Huang in Beziehung treten. Da hat Anna Melnikovas „Préparation“ es beim Publikum zumindest ein wenig leichter. Wenn ihre beiden Tänzer Florian Bücking und Felix Ariel Castillo Castro sich gegenseitig übertrumpfen wollen und Bücking immer wieder im Anlauf zum großen Fenstersprung aus Nijinskys „Spectre de la rose“ die Bühnen überquert, hat das Publikum kurze Momente des Zugangs. Poetisch wird es, wenn zum Ende des Stückes ein zweiter, überdimensionaler Ballon auf der Bühne erscheint (Bühnenbild: Franziska Keune und Silke Bauer, beide Studentinnen der UdK Berlin) und dessen Schweben die Leichtigkeit des Sprungs zu übertreffen versucht. Dann tanzt plötzlich alles – die Menschen, die beiden Objekte, die Musik. Und wenn langsam der Vollmond als dritter Planet über der Freilichtbühne erscheint, könnte man meinen, er gehöre zur Inszenierung dazu.

Stellt sich die Frage, was das UdK-Team dazu bewegt hat, seine Studierenden in die Konfrontation mit einer anderen Ästhetik zu senden. „Für unsere Studenten ist das hier eine große Chance“, erzählen Anna Bergel und Oliver Brendel, und auch Ingo Reulecke vom HZT stimmt dem zu. „Sich in solch einem Rahmen zu bewegen und dem Druck standzuhalten, punktgenau zum Premierenabend eine fertige Produktion abzuliefern, die hier bestehen muss, das ist etwas, das man während des Studiums nicht simulieren kann. Diese Erfahrungen nehmen hier alle für ihr Leben mit“, sind sich die drei sicher. Und dafür wurde hart gearbeitet. „Die Proben begannen nicht vor 19.30 Uhr, ansonsten wäre es zu heiß auf der Bühne“, erzählt Anna Bergel. „Die Proben mit Licht frühestens ab 22 Uhr, es muss ja dunkel sein. Im Anschluss gab es dann Beleuchtungsproben bis 4 oder 5 Uhr, und danach wurden noch Kostüme gewaschen. Alle waren bis zum Schluss dabei, auch die Tänzer. Jeder hat mit angepackt.“

Ungewöhnlich ist der Respekt, den alle Künstler dieses Projektes während des gesamten Verlaufes einander entgegen brachten, auch wenn die ästhetischen Ansätze derart unterschiedlich sind. So stehen alle Lichter auf grün, die Zusammenarbeit fortzuführen. Jetzt kommt der Abend erst einmal nach Berlin. Im Oktober wird „Two Pieces + Two“ im UNI.T zu sehen sein. Von den Casino-Terrassen ins Studententheater – das nächste Abenteuer beginnt also bereits.

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