Zeitung Heute : Tanzen macht glücklich

Mit ihrem eigenen Studio ist Ballettlehrerin Ilona Wendt am Ziel

Katja Gartz
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David Heerde

Das Aufwärmtraining hinterlässt Spuren auf Trikots und T-Shirts. Rücken und Beine sind gedehnt, die Bauchmuskelübungen überstanden, kurze Schrittkombinationen und Drehungen wiederholt. Kurz: Vom kleinen Zeh bis zum kleinen Finger ist alles gut durchgeknetet. Jetzt ist endlich Zeit zum Tanzen. Tanzlehrer Gilbert Coutrin blickt stehend zum Spiegel, eine Schulter gleitet elegant nach hinten, der ganze Körper dreht sich mit und sinkt zu Boden.

Schnelle Schritte und Sprünge, eine Rolle über die rechte Schulter folgen. Flugs richtet er sich wieder auf und setzt seine Choreografie in fließenden Bewegungen fort. Seine Schüler schauen aufmerksam, folgen den dynamischen Bewegungen oder machen große Augen. Gemeinsam mit ihnen wiederholt er die Kombination und korrigiert dabei. Am Ende des Unterrichts können sich die Hobbytänzer sehen lassen, die jeden Freitagabend ins Charlottenburger „Studio B“ kommen.

Wer diese Form der Bewegung einmal für sich entdeckt hat, mag sie nicht mehr missen. Einige hier sind bereits mehr als 15 Jahre dabei. „Nach Fuß- und Handball bin ich beim Tanzen geblieben, das ist die optimale Verbindung von Geist und Körper“, sagt der 45-jährige Stefan Locher. Auch Claudia Rocca ist süchtig und freut sich jede Woche auf die herausfordernden Choreografien. „Das Faszinierende ist die Verbindung von Musik, Ästhetik und Körperarbeit“, sagt die 38-Jährige.

Ilona Wendt, Inhaberin des Tanzstudios und selbst Ballettlehrerin, trainiert ebenfalls gerne bei ihrem Kollegen mit. „Tanzen ist Leben“, sagt der 49-jährige ausgebildete Tänzer, der nach Stationen in Paris, Wien und Hamburg seit knapp 20 Jahren in Berlin lebt und europaweit in verschiedenen Tanzschulen unterrichtet. Seine Musikauswahl reicht von Bach bis Tango, seine Choreografien sind modern oder jazzig und seine Ideen unerschöpflich. Das letzte Mal selbst auf der Bühne stand Coutrin 1998 bei der Bambi-Verleihung. Seine Tanzproduktion „Eine Hommage à Chopin“ wurde vor drei Jahren in Berlin aufgeführt. Gemeinsam mit Kristin Rennack, die ebenfalls im Studio B unterrichtet, veranstaltet er jedes Jahr im August eine Tanzreise nach Ungarn.

„In Bewegung und Musik aufzugehen, macht glücklich“, sagt die 28-jährige Tänzerin. Genau dieses Gefühl wolle sie neben der Körperwahrnehmung und der Ausführung der Bewegungen an ihre Schüler weitergeben. Unter dem Namen R & C Dance Art veranstalten Coutrin und Rennack auch Tanzworkshops im In- und Ausland. Beide zählen zu den rund zehn Lehrern, die im Tanzstudio B unterrichten. Angeboten werden Kurse für Kinder und Erwachsene. Außer Ballett, Modern und Jazz steht auch Funky-Street-Dance für Schüler ab zwölf Jahren auf dem Stundenplan. In den Schulferien werden regelmäßig verschiedene Workshops angeboten.

Ilona Wendt hat sich vor neun Jahren mit der Eröffnung eines eigenen Studios einen Traum verwirklicht. „Ich habe immer viel lieber unterrichtet als auf der Bühne gestanden und wollte deshalb unbedingt ein eigenes Studio haben“, sagt die 53-Jährige, die vorher an verschiedenen Tanzschulen unterrichtet hat.

Ihr Studio nennt sie „Tanzstudio B“, weil der wirklich große Erfolg erst mit dem zweiten Studio kam. Ilona Wendt absolvierte ihre Tanzausbildung an der staatlichen Ballettschule in Leipzig, tanzte insgesamt sieben Jahre am Theater Halle und in Rostock und ließ sich anschließend in Tanzpädagogik und Choreografie ausbilden.

„Beim Tanzen entdeckt man sich selbst immer wieder neu und entwickelt ein gutes Gespür für den eigenen Körper“, sagt die durchtrainierte Ballettlehrerin, die ihre größte Leidenschaft mit viel Spaß ihren Schülern vermittelt. Sie ist überzeugt davon, dass jeder tanzen kann, egal welchen Alters. Für junge Hobbytänzer, die mit dem Gedanken spielen, eine Tanz- oder Musicalausbildung zu beginnen, bietet Ilona Wendt eine einjährige tänzerische Vorausbildung an.

Da Tanzen nicht nur Spaß macht, sondern auch die Konzentration und das Selbstbewusstsein fördert, veranstaltet das Tanzstudio B seit über einem Jahr „bewegte Wandertage“ für Schulen. Dabei können Schüler zu ihrer Lieblingsmusik in einer richtigen Tanzschule, in Räumen mit Spiegeln und Ballettstangen, unter Anleitung eines Tanzpädagogen ihre eigene Choreografie auf die Beine stellen. Zur Erinnerung oder für eine Dokumentation gibt es Videoaufnahmen und Fotos. Und schließlich bietet das Studio auch noch zwei- bis dreimonatige Tanzprojekte für Schulklassen an, die mit einer Aufführung abschließen.

Studio B: Leibnizstraße 38 in Charlottenburg, Tel. 39 95 80 3, www.tanzstudio-b.de, www.rc-danceart.de

Ich habe immer lieber unterrichtet als auf der Bühne zu stehen und wollte unbedingt ein eigenes Studio haben. Ich finde, beim Tanzen entdeckt man sich immer neu und entwickelt ein Gespür für den eigenen Körper.“

Ilona Wendt,

Besitzerin des „Studio B“

in Charlottenburg

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