Zeitung Heute : Tarife weiter im Sinkflug

Die Niedrig-Preis-Gesellschaften befördern mittlerweile jeden fünften Berlin-Passagier

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Von Rainer W. During

Fliegen muss nicht teuer sein. Denn neue Tarifgefüge bestimmen zunehmend den Luftverkehrsmarkt. Auch an den Berliner Flughäfen etablieren sich immer mehr Niedrigpreis-Airlines: Jeder fünfte Passagier fliegt inzwischen mit diesen „Low-Fare-Carriers“– Tendenz steigend. Und in diesem Herbst steigen gleich vier Fluggesellschaften – darunter zwei Neugründungen – in das Geschäft mit den kleinen Preisen ein.

Jüngstes Beispiel ist die bisher auf den Ferienflugverkehr konzentrierte Air Berlin. Nachdem sich die Billig-Airlines verstärkt auch auf den Urlauberstrecken breit machen, holt das Unternehmen zum Gegenschlag aus. Das Konzept des bewährten Mallorca-Shuttles wird auf den neuen City-Shuttle übertragen, dessen Ziel Metropolen mit hohem touristischen Aufkommen sind.

Von Berlin-Tegel aus wird ab dem 30. September zunächst London-Stansted bedient, ab dem 1. November kommt ein zweites tägliches Flugpaar dazu. Der einfache Flug ist ab 49 Euro zu haben. Die Tarife zu den klassischen Spanien-Zielen der Air Berlin wurden ebenfalls neu strukturiert. Auch hier wird jetzt mit Einwegpreisen gearbeitet, die Preise starten bei den Balearen mit 79, den Festlandzielen mit 89 und den Kanarischen Inseln mit 129 Euro.

„Klassiker“ unter den Niedrigpreis-Fluggesellschaften im Berlin-Vekehr ist die britische Airline Buzz. Die Tochter von KLMuk verkehrt bis zu drei Mal täglich zwischen Berlin-Schönefeld und London-Stansted. Die Flüge gibt es ebenfalls ab 49 Euro, noch bis zum 15. September kann ein Sonderangebot für 39 Euro gebucht werden (Reisezeit zwischen dem 23. September und dem 18. Dezember). Auf der Website lassen sich auch verbilligte Tickets für den Zubringer-Zug in die City, Hotels und Mietwagen buchen. Unter Hinweis auf die günstigen Zugverbindungen mit dem Airport-Express und nach Polen, verbilligte Parkplätze und den 24-Stunden-Betrieb will die Flughafen-Holding, weitere Billigflieger für Schönefeld gewinnen.

Schwankende Endpreise

Auf der Verbindung zwischen Berlin-Tempelhof und Bern hat die Fluggesellschaft InterSky einen Netto-Schnäppchenpreis von 29 Euro eingeführt. Durch die Zuschläge summiert sich der je nach Wechselkurs des Franken schwankende Endpreis für den Hin- und Rückflug allerdings von 58 auf rund 102 Euro. Ähnliches gilt für die slowakische Linie SkyEurope, die ab dem 15. Oktober zwischen Tempelhof und Bratislava fliegt. Aus 69 Euro netto für den einfachen Flug wird mit Steuern und Gebühren ein Endpreis von circa 160 Euro für das Rückflugticket.

Auch in das in der Vergangenheit sehr hohe Tarifgefüge des innerdeutschen Luftverkehrs kommt zunehmend Bewegung. Besonders hervorzuheben ist hier die Deutsche BA, die ihre Wandlung zum Low-Fare-Carrier dba erfolgreich abgeschlossen hat. Die Flüge (ab Berlin-Tegel nach Düsseldorf, Köln / Bonn, München und Stuttgart) kosten ab 30 Euro pro Strecke zuzüglich der jeweiligen Steuern und Gebühren.

99-Euro-Strecken

Die Steuern und Gebühren sind an den einzelnen Flughäfen sehr unterschiedlich und betragen beispielsweise gegenwärtig in Tegel nur 3,83 Euro, in München dagegen 21,67 Euro. Ab November gibt es eine geringfügige Erhöhung. Eine Erweiterung des Angebots könnte die geplante Übernahme durch den bisher nicht in Deutschland tätigen, britischen Billigflug-Multi Easyjet bedeuten, der eine Kaufoption für die bisherige British Airways-Tochter hält. Zweiter Billigflieger auf dem innerdeutschen Markt ist die Germania-Fluggesellschaft, die mit einem Preis von 99 Euro pro Strecke und einem spektakulären Rechtsstreit mit der Lufthansa für frischen Wind auf der Verbindung zwischen Berlin-Tegel und Frankfurt sorgte. Für 77 Euro wird auch Köln / Bonn bedient.

Noch billiger soll es werden, wenn Anfang Dezember mit Hapag-Lloyd-Express die neue Low-Cost-Airline des Touristik-Konzerns TUI an den Start geht. Die Flotte wird aus acht modernen Boeing 737-700-Jets bestehen, die von der Germania geleast werden, deren Standbein bisher Ferienflüge für TUI waren. In diese neue Luftverkehrsgesellschaft wird Germania auch ihre Liniendienste einbringen. Die Preise für innerdeutsche Flüge sollen hier bereits bei zehn Euro beginnen. Bestätigt ist bisher unter anderem die Fortsetzung der Verbindung zwischen Berlin und Köln / Bonn. Das endgültige Streckennetz soll Mitte Oktober festgelegt werden, ab dann werden auch Buchungen möglich sein ( www.hl-express.de ).

Bereits am 27. Oktober wird unter dem n Germanwings die neue Billigfluglinie der Lufthansa-Beteiligungsgesellschaft Eurowings abheben. Die Flotte besteht aus zunächst fünf bisher im Ferienflugverkehr eingesetzten Airbus A319-Jets. Unter dem Motto „Fly high, pay low“ (Fliege hoch, zahle niedrig) wird ein Großteil der Plätze ab 29 Euro angeboten werden, verspricht das Unternehmen. Erste innerdeutsche Verbindung ist ebenfalls die Route zwischen Berlin-Tegel und der Heimatbasis Köln / Bonn, von wo aus auch neun europäische Metropolen angesteuert werden ( www.germanwings.com oder 018 05 / 95 58 55).

Letztendlich hat das verstärkte Auftreten der Billig-Airlines auch die Deutsche Lufthansa veranlasst, ihr Tarifgefüge nach unten hin zu korrigieren. Mit Beginn des Winterflugplans am 27. Oktober sind alle innerdeutschen Flüge bereits ab 88 Euro zu haben, außer dem Flug nach Frankfurt am Main. British Airways hat die Flugpreise zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien ebenfalls gesenkt.

Damit sich Reisende bei dieser Angebotsvielfalt zurecht finden, haben die Berliner Flughäfen eine Hotline eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0180 5000 186 gibt es Auskünfte über Flugziele, -zeiten und Preise.

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