Zeitung Heute : Tastensprint

Christiane Peitz

Der Tod und das Mädchen. Zweimal treffen sie sich. Am Anfang reißt der Tod Aksels Mutter ins Flussgrab. Am Ende nimmt er Aksels Liebe mit, Anja, das magersüchtige Mädchen mit dem schlimmen Vater, das unter den Klavierdebütanten die Begabteste, die Schönste ist. Leben zwischen zwei Verlusten: Aksel übt Klavier, hat ersten Sex, verzehrt sich nach Anja, geht zu Selma, der Diva von Klavierlehrerin.

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„Vindings Spiel“ möchte die Musik und ihre Erotik beschwören. Die Seelenqual jener Gruppe von „Jungen Pianisten“, die sich mit Chopin und Ravel abmühen, begeistert, besessen, verzweifelt. Leider ist der norwegische Pianist Ketil Bjoernstad als Romancier eher unmusikalisch. Seine Sprache klingt nicht. Kurze Sätze, simple Vokabeln: Es wird keine nervöse Hitzigkeit, keine kalte Obsession daraus, sondern bleibt stumpfes Floskelwerk. „Anja hat ein gnadenloses Tempo gewählt. Ein echter Marathon für beide Hände.“ Was jetzt, Sprint oder Marathon? An solchen Stellen sehnt man sich zurück nach dem aufregendsten Musikroman dieser Jahre, Richard Powers’ „Klang der Zeit“.

Ketil Bjoernstad: Vindings Spiel. Roman. Aus dem Norwegischen von Lothar Schneider. Insel, Frankfurt a. M. und Leipzig. 347 Seiten, 22,90 €.

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