Zeitung Heute : Tauchverbot im Schlachtensee

Sportler sollen weichen, um Ufer zu schützen

Christian van Lessen

Freizeit und Baden – das passt gut zusammen, vor allem im Grünen. Noch ist Saison, noch ist es nicht zu kühl, in die Fluten der Krummen Lanke oder des Schlachtensees zu springen. Aber es schlagen auch heftige Wogen der Empörung: Die Sporttaucher sind entrüstet.

Die „Allgemeinverfügung“ des Bezirksamtes Zehlendorf-Steglitz, derzufolge das Tauchen in beiden Gewässern verboten ist, hat sie schwer verärgert. Das Verbot solle die Ufervegetation schützen, hieß es im Frühsommer. Durch verstärkten Tauchsport in beiden Gewässern litten Fauna und Flora, das Interesse der Sporttaucher sei nachrangig. Die schäumten vor Wut. Sie nutzen das klare Wasser und die zehn Meter Wassertiefe für Tauchgänge und versichern, das Ufer sorgfältig zu behandeln. Vielleicht, so vermuten sie, war in Wirklichkeit ein kleiner Tauchtourismus schuld. Der setzte vorübergehend ein, als ein 1,70 Meter langer Wels im Schlachtensee gesichtet wurde. Gerüchteweise gilt ein badender Hund, wohl ein Dackel, seit Auftauchen des „Ungeheuers“ als verschollen.

Das Verbot mit sofortiger Wirkung kam überraschend, die Vereine von rund 2000 organisierten Sporttauchern und auch der Landestauchsportverband beschwerten sich. Es hagelte Widersprüche beim Bezirksamt. Umweltstadträtin Anke Otto (Grüne) versprach, das Verfahren „noch mal sorgfältig aufzubereiten“ und begründete das Tauchverbot ausdrücklich mit der Sorge um das Ufer, nicht mit einer möglichen Wels-Gefahr.

Inzwischen hat sich der Konflikt ein wenig entschärft. Die Stadträtin war für eine Stellungnahme zwar nicht erreichbar. Aber die „Taucher-News“ vermelden, dass nach dem Antrag einer „engagierten Sporttaucherin“ das Bezirksamt den sofortigen Vollzug des Tauchverbots ausgesetzt hat – bis zum Erlass eines möglichen Widerspruchsbescheides. „Das Tauchverbot ist auf Eis gelegt“, sagt auch Ingolf Feilhaber, Ausbildungsleiter bei den Sporttauchern Berlin. Taucher, die erfolgreich Einspruch eingelegt hätten, dürften vorerst ins Wasser, die anderen nicht. Christian van Lessen

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