Zeitung Heute : „Technologie hat sie nach Hause gebracht“

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Von Rita Neubauer, Palo Alto

Die Fotos vermisster Kinder tauchen in den USA regelmäßig auf Milchkartons und in Briefwurfsendungen auf. Mit dem Internet haben Eltern nicht nur ein weiteres Mittel, die Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten, Technologie erhöht auch die Chance, die Kinder wiederzufinden. Die Entführung und Ermordung von Adam Walsh 1981 in Florida ist bis heute ein ungeklärter Fall. Das einzig Positive dieser Tragödie: Die Eltern des damals Sechsjährigen gründeten aus Frust über die unzureichende Hilfe der Behörden ein Child Resource Center, das schließlich zum National Center für Missing and Exploited Children (NCMEC) führte. Die gemeinnützige Organisaion hat nicht nur 2500 Fotos von vermissten Kindern in ihrer Datei und kümmert sich um mehr als 6000 Fälle pro Jahr. Das NCMEC kann inzwischen auch vermehrt Erfolge vorweisen. 93 Prozent der Kinder werden heute wiedergefunden. Im Vergleich: 1989 waren es nur 62 Prozent.

Technologie, so ist sich Präsident Ernie Allen sicher, macht den Unterschied. „Es hilft uns, die Informationen schneller zu erstellen, sie schneller zu analysieren und sie schneller zu verbreiten." Angefangen bei der Herstellung von Postern über Zugang der Bevölkerung zur Datei von NCMEC bis hin zur Herstellung von Fotos, die den Alterungsprozess der vermissten Kinder simulieren.

Die Gebrüder Norton sind ein Beispiel dafür. Ihr Vater hatte sie nach der Scheidung gesetzeswidrig in seine Gewalt gebracht und war mit ihnen von einem Wohnpark zum anderen gezogen. Eine aufmerksame Nachbarin reagierte und konsultierte das Internet. Sie fand schließlich die vermissten Brüder auf der Website und alarmierte die Polizei.

Noch vor zehn Jahren wäre das kaum möglich gewesen. „Technologie hat sie nach Hause gebracht“, erklärte später überglücklich ihre Mutter. Nicht nur im Falle von Kindern, die von einem Elternteil entführt werden, sondern auch bei ausgerissenen Jugendlichen wie der 16-jährigen Natalie Gonzalez, die mittels eines Posters wieder nach Hause gebracht wurde. Glück im Unglück hatte auch Crystal Anzaldi, die 1990 als Baby in San Diego entführt, und acht Jahre später durch einen argwöhnischen Polizisten, der ebenfalls das Internet zu Hilfe nahm, in Puerto Rico wiedergefunden wurde.

Vor allem beim Kidnapping ist Schnelligkeit überlebenswichtig. Je länger Kinder vermisst werden, desto unwahrscheinlicher ist es, sie unverletzt aufzuspüren. 74 Prozent aller entführten und ermordeten Kinder, so eine Studie der Kriminalpolizei, starben in den ersten drei Stunden der Entführung.

Dauerte es früher Tage, bis die Fotos Vermisster die Öffentlichkeit erreichten, kann heute ein elektronisches Poster in einer halben Stunde erstellt und an Behörden und Freiwillige weitergeleitet werden. Eine große Hilfe ist auch ein Programm von Adobe Photoshop, das den Alterungsprozess von Gesichtern mittels Fotos älterer Angehöriger simuliert. Auf diese Weise wurden immerhin 320 Kinder wiedergefunden.

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www.ncmec.com

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