TEENIE-KOMÖDIE„Juno“ : Volltreffer beim ersten Mal

Jan Schulz-Ojala

Sie ist ruppig. Zu anderen wie zu sich selbst. Das ist wahrscheinlich erstmal das Wichtigste. Sie will keine von den süßen Prom-Queens sein oder eine von denen, die bärtig-bäuchige Lehrer anbaggern, haha, „ich bin auch ein Fan von Woody Allen“. Oberpeinlich, die. Andererseits findet sie, Jüngelchen sind Jüngelchen und sonst gar nichts. Naja, fast alle, außer Paulie. Paulie ist okay, Paulie, der mit dem Tic-Tac-Tick. Mit dem kann man schön Gitarre spielen und auch zusammen singen, „Doll Parts“ von Courtney Love und so ’ne Sachen zum Beispiel. Ach ja, Paulie.

So ist Juno. Juno aus „Juno“ von Jason Reitman. Juno ist 16 und schwanger von Paulie nach dem ersten Mal und dem einzigen auch. Das mit dem Schwangerwerden war jetzt nicht so geplant, eigentlich wollten sie bloß nochmal „Blair Witch Project“ gucken bei ihm und sonst gar nichts. Abtreiben, das wär’s jetzt. Aber in dieser Klinik mit all den nervösen Frauen im Wartezimmer? Dann schon lieber austragen das Ding und es weggeben zur Adoption, gibt doch massenhaft von diesen Grafikdesignern mit Kinderwunsch. Und Pa und Ma, was die dazu sagen werden? Geht schon klar, wenn Leah mitkommt, Hauptsache, Leah verspricht, dass sie nicht schon wieder „Oh my God!“ sagt. „Oh my God!“ sagen, findet Juno, das ist fast so schlimm wie uralte Woody-Allen-Fans anbaggern.

Irgendwann aber sagt Juno, zu wem wohl, da ist der Film schon fast vorbei: „I think I’m in love with you.“ Sagt sie’s oder fragt sie’s? Sie weiß es selber nicht so genau, und das ist das Schönste.

„Juno“ von Jason Reitman ist das Heiterste, Melancholischste, Cleverste, Zarteste und natürlich Ruppigste, das dem amerikanischen Kino in Sachen Coming-of-Age-Stories seit längerem untergekommen ist. Gekostet hat der Film für US-Verhältnisse fast nichts, dafür wollten ihn da drüben schon ungefähr 15 Millionen Leute sehen – auch nicht schlecht. Diablo Cody hat für ihr erstes, tolles Drehbuch gleich den Oscar gekriegt und Ellen Page für ihre fantastische Juno fast und dann doch nicht, aber das macht nichts. Ist ja erst 21. So jung. Jan Schulz-Ojala

„Juno“, USA 2007, 96 Min., R: Jason Reitman,

D: Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman, Allison Janney, J. K. Simmons

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