TEENIESCHWARMJustin Bieber : Die Reifeprüfung

Was haben wir gelacht, als diese Type 2009 aufgetaucht ist. Ein kulleräugiger, stramm christlich erzogener Knuddelboy aus Kanada, der mit 15 wie ein Zwölfjähriger aussah und sich mit einer schamlos bei R’n’B-Größen wie Chris Brown oder seinem Mentor Usher zusammengeklauten Soundmixtur an die Öffentlichkeit wagte. Schwer zu sagen, welche Beschützerinstinkte das Küken mit der nach vorn gekämmten Fransenfrisur bei Mädchen seiner Altersgruppe auslöste. Jedenfalls wurde aus der vermeintlichen Eintagsfliege eines der größten Pop-Phänomene der Gegenwart. Ein Star zudem, der die Aufmerksamkeitsmechanismen der sozialen Netzwerke virtuos bedient: In Sachen Twitter-Followerschaft macht Bieber keiner etwas vor, und bei Facebook hat er mehr als 50 Millionen Likes – so kommt man auch auf die Forbes-Liste der bestbezahlten Prominenten unter 30.

Nun, mit gerade mal 19, scheint Justin Biebers Karriere einen kritischen Punkt zu erreichen. Die Glamourbeziehung mit Teenieschwarm-Pendent Selena Gomez ist zerbrochen, der Stimmbruch vollzogen, die Haare sind forsch zur Tolle gefönt, die Konzerte nicht mehr automatisch Monate im Voraus ausverkauft. Zudem häufen sich offenbar divenhafte Auftritte, bei denen er schwächelt oder seine Fans stundenlang warten lässt. Musikalisch dagegen gibt es keinen Grund, die Halle kreischenden Mädchen zwischen acht und 18 zu überlassen. Mit seinem letzten Album „Believe“ ist Bieber ein ernstzunehmender Künstler geworden, was sich auch in engagierten Gastauftritten von Stars wie Nicki Minaj und Drake widerspiegelt.Jörg Wunder

O2 World, So 31.3., 18.30 Uhr, 62-133 €

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