Zeitung Heute : Teeren und federn

Wie eine Berlinerin, West, die Stadt erleben kann

Silke Becker

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Geteerte Wege sind an vielen Orten eine sinnvolle Sache. Fahrradfahrer und Skater mögen geteerte Wege. Auch Mütter, die Kinderwagen vor sich herschieben. Wenn es regnet, hat Asphalt der herkömmlichen Sanddecke vor allem eines voraus: Neue Schuhe werden nicht so schnell dreckig – auf dem Sandweg werden sie sofort mit Matsch beschmiert. Vielleicht bevorzugen auch Senioren, die mit Gehhilfen unterwegs sind, geteerte Wege, aber da bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Aber Jogger, da weiß ich, mögen keinen Asphalt. Ich bin Joggerin. Meine Joggingstrecke wurde im letzten Sommer asphaltiert.

Im Schöneberger Rudolph-Wilde-Park, besser bekannt unter dem Namen Volkspark, wurden tatsächlich die Parkwege geteert! Wollen sie dort die Jogger vertreiben? Das ist ihnen nicht gelungen. Denn die Jogger haben längst einen Ausweg gefunden: Sie laufen jetzt nicht mehr auf den Wegen, sondern direkt daneben und der schöne grüne Rasen links und rechts ist platt getrampelt. Jogger bevorzugen weichen Boden. Das ist besser für Knie und Hüften. Sonst könnten sie gleich auf den harten Straßen umherlaufen.

Zum Glück hat nicht gleich eine flächendeckende Betonierung stattgefunden. Nur der Teil zwischen dem U-Bahnhof Rathaus Schöneberg und der Prinzregentenstraße wurde asphaltiert.

Dabei sind bislang alle Interessengruppen in dem Park gut miteinander ausgekommen. Die Radfahrer, die Mütter, die Kinder, alte Leute, die Hundebesitzer, die grillenden Familien am Wochenende, die Boule-Spieler und die vielen Jogger. Was also wollten die Teerverantwortlichen erreichen? Wurde im Rudolph-Wilde Park nur der Anfang gemacht? Steht den Stadtparks eine Welle von Asphaltierungen bevor? Oder war am Ende des Jahres noch Geld in der Teerkasse, das dringend ausgegeben werden musste, damit der Finanztopf auch im nächsten Jahr wohlgefüllt ist.

Keineswegs, sagt Ute Heinrich, die Amtsleiterin für Umwelt, Natur und Tiefbau im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Sie beschreibt den Park als eine hügelige Berglandschaft, „mit Hang und Gefällelagen“. Der Regen habe die Wege weggespült, alles durchweicht und „richtig tiefe Spülrinnen“ hinterlassen. Mit den künstlich gehärteten Wegen haben man lediglich die Verkehrssicherheit wiederhergestellt.

Es haben sich schon viele Läufer beschwert, die sich wundern über die neuen Wege, und die sich Sorgen um den Rasen machen, den sie nun platt trampeln. Die Einwände stören die Amtsleiterin jedoch nicht. Jogger dürften ja quer durch die Grünanlagen laufen, sagt sie. Bestimmt kommen bald die nächsten Beschwerden, von den Grillern, den Müttern mit den kleinen Kindern und den vielen anderen, die im Rudolph-Wilde Park auf den Wiesen herumliegen. Die Parks sind ja für alle da.

Der Rudolph Wilde Park liegt in Schöneberg, in der Nähe vom Rathaus. Die betonierten Flächen und die aufgerissenen Wege daneben kann man bestaunen, wenn man U Bahn Station Rathaus Schöneberg aussteigt.

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