Tegel-Lounge : Umzug um die Ecke

Wenn das kein Grund zum Feiern ist! „Wir sind umgezogen“, verkündet der Aufsteller vor einem kleinen Laden am Terminal A des Noch-Flughafens Tegel. Bis vor kurzem hat die Berliner Traditionsfirma Askania hier auf zehn Quadratmetern Fläche ihre hochwertigen Uhren verkauft.

Am künftigen Großflughafen wollte Askania-Chef Leonhard R. Müller ganz groß mit zwei Geschäften einsteigen, aber das hat bekanntlich erst mal nicht geklappt. Müller wurde wie viele Unternehmer zum „Opfer der BER-Verschiebung“. Er hat mehrfach die Verluste beklagt, die ihm dadurch entstanden sind.

Am Dienstag aber stand das BER-Opfer in herzlicher Eintracht mit dem an der Verschiebung nicht ganz unbeteiligten Flughafenchef Rainer Schwarz vor Kameras und Mikrofonen. Es gab Prosecco, Kanapees mit Krabben und schöne Reden. Eigentlich war alles genau so, wie es bei einem richtigen Umzug wohl auch gewesen wäre. Nur dass der Askania-Laden nicht nach Schönefeld, sondern etwa dreißig Schritte weiter gezogen ist – um die Ecke sozusagen, Richtung Gate 0.

Hier kann sich die Firma auf 270 Quadratmetern mit einigen Kooperationspartnern den Reisenden zumindest bis zum Ende des Flughafens Tegel richtig gut präsentieren, und das tut sie auch: Die Lounge Askania & Friends ist stilvoll und mit viel Gespür fürs Detail eingerichtet und hat – sagt Müller – in der ersten Woche ihres Bestehens genauso viele Uhren verkauft wie der kleine Laden um die Ecke in einem Monat.

Möglich wurde das nicht nur „durch den festen Willen von Askania, aus der Not eine Tugend zu machen“, sagt Müller, sondern auch durch die Flughafengesellschaft. Die habe sich bei der Miete sehr kooperativ gezeigt. Wie kooperativ, will auch Flughafenchef Schwarz nicht verraten. Es gibt schließlich noch mehr BER-Opfer – mit einem Drittel der 80 Konzessionäre hat man immerhin schon Lösungen diskutiert.

Nicht jeder wird eine Lounge bekommen, manche müssen mit längerer Laufzeit ihrer BER-Verträge zufrieden sein, und einer wird wohl in den kleinen Laden um die Ecke ziehen. Abgesprungen sei jedenfalls keiner, sagt Schwarz zum kleinen Eröffnungstermin in Tegel: Alle wollten ihre Verträge für BER behalten.

Nur Askania-Chef Müller nicht unbedingt. In Schönefeld wird er weniger Platz haben als in der Tegel-Lounge, sagt er verschmitzt: „Von mir aus braucht der Großflughafen nicht mehr zu kommen.“

Um die Zukunft muss sich Askania dennoch wohl nicht sorgen. Schließlich verkauft die Firma ausschließlich Unikate: Uhren aus einer Stadt, die völlig anders tickt. Sandra Dassler

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