Zeitung Heute : Telekom-Kolloquium: Geschäftsidee verzweifelt gesucht

Martin Trauth

Noch vor wenigen Jahren gab es das Internet nur im Schneckentempo. Seitdem hat das Medium eine rasante Entwicklung genommen. Dem technischen Fortschritt stehen jedoch nur wenige lukrative Geschäftsmodelle gegenüber. Womit lässt sich überhaupt Geld verdienen?, fragten sich bei einem Telekom-Kolloquium in Berlin deshalb die Experten. Die Branche tappt im Dunkeln.

Besonders wichtig ist die Suche nach attraktiven Inhalten für die Mobilfunkanbieter. Milliarden haben die Telefonkonzerne in den Kauf der Lizenzen für die multimediafähigen UMTS-Lizenzen gesteckt. Weitere Milliarden kommen für den Aufbau der neuen Netze hinzu. Nur wer schon zum Start ab Mitte oder Ende 2002 die richtigen Inhalte bietet, wird eine Chance haben, das ausgegebene Geld wieder hereinzuholen.

Aus Sicht von Michael Clever, beim Handy-Hersteller Siemens für UMTS zuständig, müssen sich Angebote per Handy grundlegend vom herkömmlichen Internet unterscheiden. Dessen anarchische Struktur, die eine Suche nach Inhalten schwer und zeitaufreibend mache, sei den Handy-Kunden kaum zuzumuten. "Wenn ich mobil bin und eine bestimmte Information will, dann will ich auch etwas finden." Die Anbieter setzen deshalb auf Portale, in denen der Nutzer von Nachrichten bis zu Finanzdienstleistungen alle Inhalte gebündelt wiederfindet.

Große Hoffnungen wecken in der Branche auch ortsbezogene Dienste. Der Nutzer wird dabei nur mit Informationen versorgt, die in seiner unmittelbaren Umgebung wichtig sind. Technisch gesehen sind Mobilfunknetze dazu ideal, weil sie in mehrere hundert Meter lange Zellen aufgeteilt sind. Der Standort des Handy-Besitzers lässt sich jederzeit orten. Neben Hinweisen auf ein nahe gelegenes Restaurant könnte es auch ganz neue Formen von Sonderangeboten geben. "Ein Angebot gilt dann für das Geschäft in der nächsten Straße nur innerhalb der nächsten zwei Stunden," sagt Kalevi Kaartinen vom finnischen Handy-Bauer Nokia. Offen ist laut Kaartinen aber, ob für viele neue Multimedia-Dienstleistungen überhaupt eine kaufkräftige Massenkundschaft vorhanden ist: "Die meisten Leute, die Zeit haben, haben kein Geld. Die, die Geld haben, haben keine Zeit."

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben