Zeitung Heute : Tempo durch den Tunnel

Nach der Eröffnung der Nord-Süd-Röhren in Berlin verkürzen sich die Fahrzeiten der Züge

Klaus Kurpjuweit

Zügig, zügig. Im nächsten Jahr macht die Bahn Tempo. Dann verkürzen sich die Fahrzeiten zwischen Brandenburger Städten und Berlin zum Teil fast um die Hälfte. Möglich wird das schnelle Reisen durch ein Milliardenprojekt in Berlin: den neuen Nord-Süd-Tunnel. Zum Fahrplanwechsel am 28. Mai 2006 sollen die vier Röhren in Betrieb gehen – rechtzeitig vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft.

Zum ersten Mal können Züge dann auch in Nord-Süd-Richtung Berlin durchqueren, was in der Ost-West-Relation auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg schon seit 1882 möglich ist. Die Bahnen halten dann in Gesundbrunnen, im neuen Hauptbahnhof, am Potsdamer Platz und im neuen Bahnhof Südkreuz (heute Papestraße).

Wer etwa zum Potsdamer Platz will, braucht ab Luckenwalde statt 66 nur noch 39 Minuten; von Eberswalde verkürzt sich die Fahrzeit von 61 auf 38 Minuten, von Fürstenberg sind es statt 92 nur noch 66 Minuten und von Nauen aus ist man statt in 45 dann in 36 Minuten am Ziel Potsdamer Platz.

Heute fahren alle Züge durch Berlin über den Außenring und dann über die Stadtbahn, auch die aus Norden und Süden kommenden. Damit müssen sie einen gewaltigen Umweg nehmen. Der Tunnel ermöglicht dagegen den direkten Weg.

Wer allerdings weiter Richtung Alexanderplatz oder Zoo will, muss bei den Nord-Süd-Verbindungen im Hauptbahnhof umsteigen. Dadurch verlängern sich die Fahrzeiten wieder. Insgesamt sollen sich die Reisezeiten aber auch bei diesen Verbindungen verkürzen.

Durch den Tunnel fahren die Regionalexpress-Linien RE 3 (Stralsund/Schwedt – Berlin – Elsterwerda/Senftenberg) und RE 4 (Wismar – Wittenberge – Nauen – Berlin – Ludwigsfelde/Jüterbog) sowie RE 5 (Rostock/Stralsund – Neustrelitz – Oranienburg – Berlin – Jüterbog – Lutherstadt Wittenberg/Falkenberg.

Auf der Stadtbahn bleiben die Linien RE 1 (Magdeburg – Brandenburg – Potsdam – Berlin – Frankfurt (Oder) – Eisenhüttenstadt und RE 2 ( Rathenow – Berlin – Cottbus. Neu hinzu kommt die RE 7 von Dessau über Belzig, Berlin, Flughafen Schönefeld nach Wünsdorf. Damit bleibt der Flughafen Schönefeld weiter auch im Regionalverkehr direkt mit dem Zentrum Berlins verbunden. Die heute noch dort haltenden Regionalexpress-Linien fahren auf ihrem direkten Weg durch den Tunnel in Zukunft am Flughafen vorbei. Um wie bisher alle 30 Minuten eine Verbindung zum Flughafen anbieten zu können, kommt die neue Linie RB 14 (Nauen – Berlin – Flughafen Schönefeld – Senftenberg – Hoyerswerda hinzu, die ebenfalls über die Stadtbahn führt.

„Die Öffnung des Nord-Süd-Tunnels ist ein Meilenstein für einen besseren Nahverkehr beider Länder“, sagt Brandenburgs Infrastrukturminister Frank Szymanski (SPD). Das Angebot auf der Schiene für Pendler werde dadurch erheblich verbessert. Und der Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, ist überzeugt, dass die Fahrgastzahlen in den nächsten Jahren steigen werden.

Doch weil das zusätzliche Angebot Geld kostet, wird woanders gespart – zum Teil schon vor der Tunneleröffnung. Bereits vom Fahrplanwechsel am 11. Dezember an fährt der RE 1 zwischen Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt am Wochenende nicht mehr stündlich, sondern nur noch alle zwei Stunden. Die RB 20 entfällt am Wochenende zwischen Oranienburg und Hennigsdorf.

Ab Mai enden die Züge der RB 10 aus Nauen dann bereits in Spandau, nur in der Hauptverkehrszeit fahren sie weiter bis Charlottenburg. Und auch der „Prignitz-Express“ der RE 6 aus Wittenberge/Rheinsberg endet statt in Charlottenburg bereits in Spandau.

Das Sparen hat zum Teil groteske Züge. Bei der Sanierung der Strecke zwischen Brandenburg und Rathenow ist auch eine Brücke auf dem Abschnitt bis Rathenow-Nord mit Millionenaufwand neu gebaut worden. Planmäßige Züge sind aber nie über das Bauwerk gefahren. Sie enden bereits in Rathenow, nach Rathenow-Nord gibt es keinen Zugverkehr. Dafür ist in Rathenow nun die Pause länger.

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