Zeitung Heute : Terror-Spur führt auch nach Berlin

Der Tagesspiegel

Nach der Razzia gegen den deutschen Ableger der Terrorgruppe Al-Tawhid und der Festnahme von elf palästinensischen Islamisten führt eine Spur in den Iran. Ein Anführer der Organisation halte sich seit Januar 2002 in dem Land auf und betreue aus Afghanistan geflohene Kämpfer, hieß es am Mittwoch in deutschen Sicherheitskreisen. Der "operative Führer" namens Ahmad Fadik Al Khalalilah beschaffe den Flüchtlingen Pässe für die Weiterreise in Drittstaaten, auch nach Europa. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) warnte unterdessen erneut vor Terroranschlägen in Deutschland. Den Sicherheitsbehörden sind die Aktivitäten von Ahmad Fadik Al Khalalilah alias "Abu Mosab Al Zarqawi" offenbar schon länger bekannt. Erwähnt wurden sie jetzt, nachdem am Dienstag auf Anordnung von Generalbundesanwalt Kay Nehm in zehn Städten Wohnungen von mutmaßlichen Mitglieder der Al-Tawhid durchsucht worden waren. Beamte von Bundeskriminalamt (BKA) und GSG 9 fanden unter anderem gefälschte Pässe und Kfz-Kennzeichen sowie Propagandamaterial. Bei einem Iraker in Beckum wurde auch ein gerahmtes Bild von Osama bin Laden entdeckt. Das BKA nahm den Mann wie auch zehn weitere Personen vorläufig fest. Die Bundesanwaltschaft begann am Mittwoch mit dem Verhör. Möglicherweise plante die Organisation Al Tawhid auch in Berlin Straftaten. Nach Informationen des Tagesspiegel war den Sicherheitsbehörden im Herbst vorigen Jahres ein Kleinflugzeug aufgefallen, das in Berlin über Objekten kreiste, die als anschlagsgefährdet eingestuft waren. Die damaligen Ermittlungen brachten kein Ergebnis, sollen angeblich nun aber mit denen gegen Al Tawhid in Zusammenhang gebracht werden. Eine weitere Spur führt offenbar zu den Terroristen, die 1998 in Kenia und Tansania verheerende Anschläge auf die US-Botschaften verübten. Bei der Suche nach Mitglieder der Al Tawhid wollte die Polizei in Nürnberg einen Ägypter festnehmen, den bereits die britischen Sicherheitsbehörden im September 1998 in London aufgegriffen hatten. Sayed Agami Mohalal M. zählte damals zu einer Gruppe, die Kopien der Bekennerschreiben zu den Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania aufbewahrte. Das BKA traf den Asylbewerber jedoch nicht an. Die spanische Polizei hat unterdessen einen mutmaßlichen Finanzchef des Terrornetzwerks Al Qaida in Madrid festgenommen. Wie Spaniens Innenminister Mariano Rajoy am Mittwoch mitteilte, steht der Syrer mit spanischem Pass unter anderem im Verdacht, die Gruppe um Mohammed Atta, einen der Selbstmord-Piloten vom 11. September in den USA, in Deutschland mit Geld versorgt zu haben. Der Mann, dessen Name mit Mohammed Galeb Kalaje Zouaydi alias "Abu Talha" angegeben wurde, habe in Spanien ein Netz von Unternehmen zur Finanzierung der Bin-Laden-Organisation angeführt. Ein Geschäftspartner sei ebenfalls festgenommen worden.

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