Zeitung Heute : Teure Detailverbesserungen

KURT SAGATZ

Wenn man alle Detailverbesserungen im neuen Office-Paket 2000 von Microsoft zusammennimmt, mit den Bereinigungen von kleineren und größeren Fehlern des Vorgängers addiert und die Summe mit jeweils einer Mark je Neuerung multipliziert, erscheint sogar der Update-Preis von 900 DM auf das Premium-Paket mit seiner Vielzahl von Anwendungen gerechtfertigt. Bereits nach kurzer Arbeitszeit mit dem vielseitigen Büropaketerscheint eine Rückkehr zu Office 97 nahezu unvorstellbar, denn dort wurde höchstens ein Ausblick auf die Möglichkeiten gewährt, die nun Office 2000 bietet. In der Spitzenversion enthält das Softwarepaket neben den klassischen Büroprogrammen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank, Präsentationstool und Organizer nun auch den Webeditor Frontpage 2000 und das Grafiktool PhotoDraw.Das neue Office-Paket - egal ob nun in einer abgespeckten Small-Business-Variante oder in der Premium-Form - erleichtert die Zusammenarbeit sowohl über die Grenzen einzelner Programme als auch über Arbeitsplätze hinweg. Der Export jeglicher Daten aus Winword, Excel oder Access in Internet-typische Formate erfordert keine allzugroßen Anstrengungen, und mit dem runderneuerten Webtool Frontpage wird von Microsoft erstmals ein Programm angeboten, das das Gestalten von Internet-Auftritten nicht mehr allein den Profis vorbehält. Gleichwohl bietet Frontpage auch genügend Spielraum, um auch ausgefallene Lösungen zum Beispiel mit dynamischen Webseiten und festgelegten Layouts auf der Basis von Cascading Style Sheets umzusetzen. Zu den hervorstechenden neuen Leistungsmerkmalen mit programmübergreifendem Charakter gehört die verbesserte Zwischenablage, die bis zu zwölf Elemente enthalten kann. In einem Rutsch ist es so nun möglich, für eine Präsentation oder einen Bericht gleich mehrere Tabellen aus Excel zu kopieren, dann einige Bilder zur Verzierung auszusuchen und am Ende noch aus alten Präsentationen oder Winword-Dokumenten relevante Passagen zu kopieren, um dann in Word aus dieser virtuellen Zettelwirtschaft ein Dokument mit allen benötigten Informationen zusammenzubasteln. Eine Verbesserung der Übersichtlichkeit stellen die Menüleisten dar. Standardmäßig werden nur die wichtigsten Funktionen angezeigt, um der Verunsicherung der Nutzer entgegenzuwirken. Wird die gesuchte Funktion nach einigen Momenten nicht gefunden, blättert das Menü automatisch um die bis dahin verborgenen Einträge auf. Wer will, kann diese Funktion ausschalten, was auch für die Mehrzahl der anderen Arbeitserleichterungen gilt. Die wohl augenfälligsten Änderungen gegenüber dem Vorgänger stellen die vielen neu hinzugekommenen Assistenten dar. Zu Karl Klammers Freunden gehört zum Beispiel "F1", ein kleiner Roboter, der beim Beenden des Programms gerne auch einmal mit entsprechender Geräuschkulisse explodiert. Hinter diesen optischen Gimmicks, die bereitwillig ihren Platz räumen, wenn der zum Arbeiten benötigt wird, verbirgt sich eine ausgeklügelte Hilfefunktion. Während die Assistenten bei Office 97 oftmals eher als störend empfunden wurden, scheint es nun schon eher wahrscheinlich, daß sie auch langfristig ihren Platz auf dem Desktop behalten werden. Nicht zuletzt haben die netten kleinen Animationen auch ihren Unterhaltungswert. Möglich werden die ständig im Hintergrund verfügbaren Helferlein sowie die anderen, unsichtbaren Assistenten freilich nur, wenn Office 2000 auf einem entsprechend ausgerüsteten Rechner ausgeführt wird. Versuche mit einem Pentium 200 MMX oder einem AMD K6 300 waren nicht die wahre Freude. Ein Pentium II sollte es schon sein, denn zum Paket gehört als Ressourchenfresser auch die neue Internet-Explorer-Suite von Microsoft mit der Versionsnummer 5. Wer alle Komponenten installiert, benötig überdies eine hinreichend große Festplatte. Die Komplettinstallation des Premium-Pakets erfordert einen Speicherplatz von 1,5 Gigabyte. Und auch am Arbeitsspeicher sollte nicht gespart werden, denn es empfiehlt sich, zumindest die Kommunikationszentrale Outlook, die große Ausführung von Outlook-Express, ständig in Betrieb zu halten.Fazit: Office 2000 wird seinem Namen als Produkt auf der Schwelle zum kommenden Jahrtausend gerecht. Das Paket enthält Bausteine für eine erfolgreiche und auf Kommunikation über die weltweiten Netze aufgebaute Arbeit im Büro. Dabei erleichtert die Integration der einzelnen Komponenten die Arbeit sowohl im Small-Business-Bereich als auch in Großunternehmen. Für Microsoft stehen somit die Zeichen gut, daß der Multi seine Marktführerschaft im professionellen Office-Segment behält. Für Heimanwender sieht die Situation freilich ganz anders aus. Hier spielt neben der Funktionalität vor allem der Preis eine dominante Rolle. Die Konkurrenzprogramme sind wesentlich preiswerter. Vor allem die Softmaker-Produkte und das fast kostenlose StarOffice sind hier zu nennen.

Office 2000 wird in den Versionen Small Business, Standard, Professionell und Premium angeboten. Für Entwickler steht die Version Developer zur Verfügung. Der Update-Preis für das kleinste Paket liegt bei 500 DM, die Vollversion der Premium-Suite kostet 1800 DM.

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