Zeitung Heute : Teure Pflaster

Cordula Eubel

Seit Jahresbeginn haben 30 gesetzliche Krankenkassen ihre Beiträge angehoben, nur 28 haben sie nach Angaben des „Dienstes für Gesellschaftspolitik“ reduziert. Da klingt es doch paradox, wenn Gesundheitsministerin Ulla Schmidt von sinkenden Beiträgen spricht. Ist es aber nicht, zumindest wenn man sich den durchschnittlichen Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung anschaut: Von Januar bis April dieses Jahres sanken die Tarife im Schnitt von 14,3 auf 14,19 Prozent. Mittlerweile dürfte der Durchschnittssatz sogar noch etwas darunter liegen.

Dass die gesetzliche Krankenversicherung derzeit weniger von ihren Versicherten verlangt als noch zu Jahresbeginn, liegt daran, dass in erster Linie große Kassen mit vielen Mitgliedern ihre Beiträge gesenkt haben, während vor allem kleinere Betriebskrankenkassen sie sogar anheben mussten.

Für die insgesamt 70 Millionen Versicherten kommt es ohnehin eher darauf an, was die individuelle Kasse macht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums profitieren bisher etwa 25 Millionen Menschen, also mehr als ein Drittel, von Beitragssenkungen. Die Barmer etwa verlangt nicht mehr 14,9 Prozent, sondern nur noch 14,7 Prozent von ihren acht Millionen Versicherten. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) mit 7,4 Millionen Versicherten senkte ihre Beiträge von 15,2 auf 14,7 Prozent. Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3000 Euro bedeutet das eine Ersparnis von 15 Euro. Dafür liegen diese großen Kassen immer noch weit über dem Durchschnitt.

Teurer wurden dagegen Kassen wie die BKK Gesundheit, die BKK Mobil Oil und die Taunus BKK. Im Falle einer Beitragserhöhung haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht innerhalb einer Frist von zwei Monaten. Wenn jedoch zwei Krankenkassen fusionieren und den Beitrag anheben – wie im umstrittenen Fall der Taunus BKK – greift nach Ansicht der Kassen dieses Recht nicht.

Die Versprechen der Politik sind aber trotzdem noch nicht eingelöst: Bis ein durchschnittlicher Satz von 13,6 Prozent erreicht ist, müssen noch zahlreiche Krankenkassen ihre Beiträge senken. Die Techniker Krankenkasse zum Beispiel will erst einmal abwarten, wie die Gesundheitsreform wirkt und wie sich die Finanzen entwickeln.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!