Zeitung Heute : Theater in der Alten Oper

Der Tagesspiegel

Benedikt Voigt über eine

überflüssige Inszenierung

Eigentlich ist es nur ein Satz: „Bremen, Düsseldorf und Mönchengladbach bekommen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland keine Spiele.“ Fertig, das war’s. Geht ganz schnell, dauert vielleicht fünf Sekunden, den Satz auszusprechen. Besonders schwer zu verstehen ist er auch nicht. „Bremen, Düsseldorf und Mönchengladbach bekommen keine Weltmeisterschaftsspiele“ bedeutet, dass Bremen, Düsseldorf und Mönchengladbach keine Weltmeisterschaftsspiele bekommen. Da gibt es eigentlich nicht viel zu erklären. Trotzdem schaffte es die ARD, diesen Satz zu einer 75-minütigen Livesendung zu strecken.

Es ist nämlich wie folgt. Seit die ARD die Bundesligarechte nicht mehr besitzt, bläst sie auch Randereignisse des Fußballs zu einem Event auf. Was früher eine Mitteilung aus der Presseabteilung war, muss nun als Fußballgala über die Bühne gehen. „Sportschau live“ nannte sich die Sendung, in der die zwölf Spielstätten für die WM 2006 bekannt gegeben wurden. Wie gut sich jemand fühlt, der diese Party als Verlierer besucht, brachte Franz Böhmert zum Ausdruck. Der Aufsichtsratsvorsitzende des SV Werder Bremen hatte vergeblich gewartet, dass seine Stadt aufgerufen wurde. Er machte Theater in der Alten Oper. „Wir wurden hier als Staffage hergeschickt“, schimpfte Böhmert.

Auch der Zeitpunkt der Inszenierung verwundert. Fifa-Chef Joseph Blatter attestierte den Deutschen „lateinamerikanischen Fußballrhythmus“, weil sie bereits jetzt die Spielorte für die WM 2006 vorstellen. Zu einem Zeitpunkt, an dem nur den wenigsten Fans die Namen der Spielorte für die WM 2002 geläufig sind. Was jedoch voreilige Deutsche mit brasilianischen Fußballspielern zu tun haben, bleibt Blatters Geheimnis. Es war nicht das einzige Rätsel. Warum zum Beispiel musste Gerd Müller auf einen fußballähnlichen Button drücken, um die Gewinner vorzustellen? Eine Nachrichtenagentur hatte er damit so verwirrt, dass sie schrieb, er habe auf einen Zufallsgenerator gedrückt. Die Wahl der Spielorte, nur eine Auslosung?

Irgendwann sagte Moderator Gerhard Delling: „Jetzt wollen wir die zwölf Städte auch benennen.“ Eine Erlösung. Aber so ist das eben vor Fußballspielen: Als erstes muss ganz viel Luft in die Bälle gepumpt werden.

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