THEATERINSTALLATIONGesine Danckwart zeigt „Pin Tan Tales“ : Den Papierdrachen kraulen

Sandra Luzina

„Erinnern, an das allererste Mal, ich bin ja in China, ich glaub es nicht, ich ich ich, nein, ich steh nicht auf dem Kopf, ich weiß natürlich stehe ich hier nicht auf dem Kopf, aber allerfernste allerfremdeste Geschichtengroßlandschaft, Tod und Revolution, Pflaumenblüte und Kai Li ...“ Die Berliner Autorin und Regisseurin Gesine Danckwart hat zusammen mit der Dramaturgin Susanne Vincenz mehrmals China bereist. Der sehnsuchtsangstvolle Blick nach Osten wich sehr bald einem irritierten Staunen.

Ihre Erfahrungen im Reich des gelben Drachens haben Danckwart und Vincenz nun zu der Theaterinstallation „Ping Tan Tales“ verarbeitet, die teils dokumentarischen Charakter hat, teils als Soap made in China daherkommt. Auf alle Fälle wird hier allerlei Befremdliches zutage gefördert – jenseits aller Chinoiserie-Exotik. Stets die „leidenschaftlich begutachtete allerfernste Daseinsform“ im Visier, trifft die Autorin auf Architekten in Goldgräberstimmung, auf melancholische Mittelständler, auf Spezialisten für aussterbende Theaterformen und auf ernüchternde Erotiktänzerinnen. Gesine Danckwart hat die „Ping Tan Tales“ mit einem deutsch-chinesischen Ensemble inszeniert, dem auch die bekannte Tänzerin und Choreografin XiaoKe und der Elektronik-Musik-Freak HuZi angehören. Fragen nach Original und Kopie, nach dem Fremden und dem Eigenen stehen bei dieser Kollaboration im Vordergrund. So werden auf der Bühne auch deutsch-chinesische „Projektions- und Kopiermeisterschaften“ ausgefochten. Sandra Luzina

Sophiensæle, Do 3.4., 20 Uhr (Premiere), Fr-So 4.-6.4. und Di-Fr 8.-11.4., 20 Uhr, 13/8 €

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