• Theaterpreis Berlin für Ulrich Matthes: Hohe Zustimmung Verdienste gewürdigt / Publikum von seiner Kunst beeindruckt / Besucherrückgang bei Knut

Zeitung Heute : Theaterpreis Berlin für Ulrich Matthes: Hohe Zustimmung Verdienste gewürdigt / Publikum von seiner Kunst beeindruckt / Besucherrückgang bei Knut

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Berlin steht am heutigen Sonntag im Zeichen einer Preisverleihung: Im Haus der Berliner Festspiele erhält der in Berlin geborene Schauspieler Ulrich Matthes aus den Händen des Regiernden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, den renommierten Theaterpreis Berlin 2007, außerdem wird der Preisträger von Kollegen und Mitstreitern in einer so genannten Gala-Matinee geehrt (die Matinee war bei Redaktionsschluss noch in Gang).

Walter Rasch, Vorsitzender der Stiftung Preußische Seehandlung, die den erstmals mit 20 000 Euro dotierten Preis vergibt, erinnert daran, dass der „Intensivschauspieler“ Ulrich Matthes die Voraussetzungen für diesen Preis „mehr als einmal“ erworben habe. Der Theaterpreis Berlin dient der Auszeichnug für herausragende Verdienste um das deutschsprachige Theater, heißt es im Preisstatut. Nach Jutta Lampe (1992), Bernhard Minetti (1994), Henry Hübchen (2000, gemeinsam mit Frank Castorf) und Bruno Ganz (2001) ist Ulrich Matthes der fünfte Schauspieler unter den Preisträgern. Die Entscheidung der Jury, gerade ihm den zwanzigsten Theaterpreis Berlin zuzuerkennen, so Rasch weiter, hätte von der Stiftung selbst nicht besser getroffen werden können. Er sei sicher, dass in seinen Dank für diese Wahl alle Theaterbegeisterten und die Berliner mit vollem Herzen einstimmen könnten. Walter Rasch sagt: „Man kann ihn nicht beschreiben, man muss Matthes erlebt haben.“

Die Jury, die sich in diesem Jahr aus den Intendanten Wolfgang Engel, Jürgen Schitthelm und Joachim Sartorius sowie der Theaterkritikerin Christine Dössel zusammensetzte, würdigte in ihrer Begründung Ulrich Matthes’ „unbändige Lust an der Spracherkundung“. Sprache fasziniere ihn, sie sei ihm heilig.

Ursprünglich habe Ulrich Matthes Deutschlehrer werden wollen, so die Jury weiter. „Das wäre sicherlich vielen Schülern zugute gekommen, das deutsche Theater aber hätte auf einen seiner eindringlichsten und klügsten Menschendarsteller und einen seiner sensibelsten Sprecher verzichten müssen.“ Deshalb freue sich die Jury, „dass sich Ulrich Matthes Anfang der achtziger Jahre für die Schauspielerei entschieden und sein Publikum seither in zahlreichen Rollen „mitgerissen, bestürzt und beglückt hat“.

Die Jury würdigte Ulrich Matthes als einen ernsten und ernst zu nehmenden Schauspieler: „Einer, der denkend an Texte herangeht, konzentriert und sprachlich versiert – mit dem einen Ziel: einem ans Herz zu gehen. Ob auf der Bühne, im Film oder als Rezitator: Es geht ihm immer um Wahrhaftigkeit. Matthes versteht es, seine Figuren bis ins Innerste zu durchdringen, ohne sie je einem schnellen Urteil auszuliefern. Sich selbst nimmt er dabei stets zurück. So lodernd und intensiv sein Spiel ist, bleibt Matthes doch der Understatement- Künstler, der mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielt, und sei es mit einem brennenden Blick aus abgrundtiefen Augen.“

Ulrich Matthes, der am kommenden Mittwoch seinen 48. Geburtstag feiert, gilt als überzeugter Ensemblespieler. Nach seinen Anfängen in Krefeld-Mönchengladbach, Düsseldorf und München lebt und arbeitet er seit 1992 wieder in seiner Heimatstadt Berlin. An der Schaubühne war er gefeierter Protagonist im Seelenforscherteam von Andrea Breth. Seit 2004 gehört er zum Ensemble des Deutschen Theaters, wo er zahlreiche Rollen verkörpert: George in Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, Baron von Tellheim in „Minna von Barnhelm“, Lopachin in Tschechows „Kirschgarten“, Ariel Chipman in Rezas „Im Schlitten Arthur Schopenhauers“ sowie Eisenstein in der Johann Strauß-Operette „Die Fledermaus“. Derzeit probt er in der Regie von Jan Bosse zusammen mit Wolfram Koch „Endspiel“ von Samuel Beckett, Premiere am 2. Juni.

Für die Gala-Matinee hatten sich zahlreiche Gäste angekündigt. Die Schauspieler Imogen Kogge, Stefan Hunstein, Barbara Schnitzler, Katharina Schmalenberg, Alexander Khuon und das Ensemble von Matthes’ Inszenierung „Frühlingserwachen“ gestalteten das Programm. Die Laudatio hielt Peter von Becker.

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