Zeitung Heute : Thekentanz

Der Tagesspiegel

Soda, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Tel.:44 05 60 71, geöffnet täglich von 10 bis ein Uhr

Die Kulturbrauerei ist, wie der Name nahelegt, nicht unbedingt der Olymp des elegant drinking. Doch in dem weitläufigen Backsteinkomplex in Prenzlauer Berg gibt es ein Lokal, das mehr sein will als eine Bierschwemme. Der Name „Soda“ klingt fast schon hinterhältig. Wird in dem Gemäuer, an dessen Front „Fassbier – Lagerhalle“ in Versalien prangt, die kultische Verehrung von Sprudels zelebriert? Und auch der Cocktail höher geachtet als das Bier?

Die Halle mit dem hohen Schrägdach wirkt auf den ersten Blick wie ein Exempel konservierter Authentizität. Wuchtige Lüftungsrohre und reichlich Eisengestänge unter dem hohen Schrägdach, polierte Backsteinmauern, ein Holztresen mit dicken Stahlrohren als arm- und footrail. Etwas Extraganz verstrahlt ein rostbrauner Stahlleuchter mit vielen, streng gezackten Armen. In einer Mauer steht eine schwere Eisentür einen Spalt offen – in etwa drei Meter Höhe. Wer soll dort hineinschweben? Dringlicher ist vielleicht noch die Frage, wie gefährlich Gäste leben, die unter dem rostfleckigen Türmonstrum sitzen. Das junge Publikum im potenziellen Fallradius ist unbeschwert. Ein bisschen Risiko hat seinen Reiz.

Weniger originell wirkt die Speisekarte, obwohl genau das Gegenteil beabsichtigt ist. Die Gerichte werden nicht mit ihren Namen offeriert, sondern als eingestreute Brocken mäßig witziger Texte. Ein Beispiel: „Es kam von rechts . . . das Reh, und ich konnte nicht mehr ausweichen. Deswegen gibt es heute frischen Rehrücken“, und so weiter. Dennoch waren Soda Burger und Yam Won Seng-Salat okay, aber nicht Grund genug für einen Besuch. Vielleicht die Cocktails?

Die compañera bestellte einen Hurricane (weißer und brauner Rum, Limettensaft, Orangensaft, Ananassaft, Limejuice, Maracujasirup) und nannte ihn „einerseits fruchtig, andererseits flau“. Dem drinking man wurde ein Bourbon Julep (Minze, Whisky, Limette, Zuckersirup, Soda) serviert. Der Kommentar könnte lauten „einerseits schwer, andererseits wässrig“, aber auch der Verzicht auf eine Bemerkung wäre kein Fehler. Im angrenzenden, plüschig eingerichteten „Soda Club“ respektive „Soda Salon“ hätten compañera und drinking man noch Zweitdrinks probiert, wenn nicht vor dem Eingang des erst ab 23 Uhr geöffneten dancefloor-Etablissements eine 100 Meter lange Schlange gestanden hätte. Die compañera winkte ab und konstatierte streng: „Der ganze Laden ist verzichtbar“. Das sahen die jungen Menschen in der Warteschlange und auch die in die Restaurantbar strömende Menge aus dem nahen Kino offenbar anders. Auf ein Bier ist das Soda ja auch nicht verkehrt. Frank Jansen

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