THOMAS OSTERMEIER INSZENIERT„Die Stadt“ und „Der Schnitt“ : Aufgelöste Gewissheiten

Sandra Luzina

Neue britische Dramatik gibt es diesmal im Doppelpack. Thomas Ostermeier kombiniert Martin Crimps „Die Stadt“ und Mark Ravenhills „Der Schnitt“ zu einer beklemmenden Gegenwartsdiagnose. Beide Autoren beschreiben, wie den westlichen Gesellschaften die innere Sicherheit abhanden gekommen ist. Ravenhills Stück „The Cut“ („Der Schnitt“) mutet auf den ersten Blick wie Science-Fiction an: Mit Hilfe einer ominösen Operation, die irgendwo zwischen Kastration und Lobotomie angesiedelt ist, versucht der Staat, das Bewusstsein seiner Bürger zu kontrollieren. Doch dann zeichnet sich ein Regimewechsel ab, die Protagonisten des „Schnitts“ müssen sich darauf einstellen, sich vor der nächsten Generation verantworten zu müssen.

„The City“ („Die Stadt“) von Martin Crimp zeigt anhand einer Übersetzerin und ihres arbeitslos gewordenen Ehemanns, wie tief soziale Verunsicherungen in eine Paarbeziehung eindringen. Langsam erodieren alle Gewissheiten. Sind die Geschichten, die man sich über das eigene Leben erzählt, wahr oder erfunden? Findet der Krieg, von dem die Nachbarin berichtet, wirklich statt? Wie sicher ist der eigene Arbeitsplatz? Was macht die eigene Frau mit dem Autor, den sie übersetzt? Crimp schildert einen doppelten Auflösungsprozess: Den Figuren zerfällt ihre eigene Existenz, zuletzt löst sich gar die theatrale Form des Stückes auf.

Bei „Die Stadt“/„Der Schnitt“ wird der Bühnenraum in einen begehbaren Parcours verwandelt. So ist die visuelle und akustische Installation für den Zuschauer individuell erfahrbar. Sandra Luzina

Schaubühne, Fr 21.3., 19.30 Uhr (Premiere),

Mo 24.3. bis Mi 26.3., 19.30 Uhr, 6-38 €

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