THRASH-METALSoulfly : Fauchen und rasen

Jörg W er

Warum sich das Leben unnötig schwermachen: An einem frühen Punkt seiner Karriere wurde sich Max Cavalera, seinerzeit Sänger und Gitarrist der brasilianischen Heavy-Metal-Band Sepultura, bewusst, dass er zwei Saiten seiner E-Gitarre nie benutzte. Statt sich einen Kopf um die genre-untypische Limitiertheit seiner Technik zu machen, entledigte sich Cavalera der überflüssigen H- und E- Saiten und erhob das Geriffe auf der „4-Stringz“ zu einem Markenzeichen. Ein anderes ist sein aggressiver Gesangsstil, dessen Furor dem ultraschnellen Thrash-Metal von Sepultura eine über instrumentale Irrwitzigkeit hinausreichende Wirkung verlieh.

Als er sich mit der Band verkrachte, gründete er kurzerhand sein eigenes, personell variables Projekt: Soulfly haben seit 1996 sechs Alben veröffentlicht, von denen zwar keines den kommerziellen Erfolg von Sepultura wiederholen konnte, die aber in Insiderkreisen aufgrund ihrer Vielfalt gelobt wurden: Eine „abgefahrene Mischung aus chilligen Parts und Brutalität“ bescheinigte das Fachblatt „Rock Hard“ dem 2004er-Album „Prophecy“ und platzierte es auf Rang 306 der „500 stärksten Scheiben aller Zeiten“. Auf dem aktuellen Werk „Conquer“ sind die bis zu Adaptionen obskurer Weltmusik-Regionalstile reichenden Experimente auf ein Minimum zurückgeschraubt. Stattdessen regiert größtenteils wieder nackenbrechender Thrash-Metal mit atemraubenden Tempi, zu dem Max Cavalera, der nächstes Jahr 40 wird, sein einschüchterndes Gefauche erklingen lässt. Stünde Metallica auf dem Cover, würde sich „Conquer“ millionenfach verkaufen. Jörg Wunder

ColumbiaClub, Mo 25.8., 21 Uhr, 22 € + VVK

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