THRILLER „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ : Die Welt am Abgrund

Foto: PPG
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Wer weiß eigentlich noch, worum es in den letzten James-Bond-Filmen ging? Irgendwas mit Waffenhändlern und Wasserrechten, und dann hatte der Geheimagent ihrer Majestät auch noch ein paar persönliche Rechnungen offen. Ähnlich bei „Mission Impossible“, wo der seit 1996 von Tom Cruise verkörperte Spezialagent Ethan Hunt in den bisherigen drei Teilen hinter Computerdisks, Killerviren und einem Objekt namens „Hasenpfote“ her war.

Die meisten Agentenfilme der letzten 20 Jahre litten darunter, dass mit dem Fall des Eisernen Vorhgangs das Leitmotiv des Genres obsolet wurde: Die universelle Angst vor dem Atomkrieg war ein wirkungsvolleres Bedrohungsszenario als all die regionalen Konflikte und Krisenherde der Gegenwart. „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ räumt nun auf mit der postmodernen Unübersichtlichkeit: Wenn eine mit Atomsprengköpfen bestückte Rakete auf San Francisco zurast, während tausende Kilometer entfernt ein Kampf auf Leben und Tod darüber entscheidet, ob sie detonieren und die Welt in den Abgrund reißen wird, ist dieser archaische Nervenkitzel wieder da, den man lange vermisst hatte.

Regisseur Brad Bird („Ratatouille“, „Die Unglaublichen“) erzählt in seinem ersten Realfilm auf wohltuend altmodische Weise von der Verschwörung eines Fanatikers (Michael Nyqwist aus der „Millenium“-Trilogie nach Stieg Larsson), der die alten Supermächte Amerika und Russland in einen Krieg verwickeln will, um seine Vision von einer im nuklearen Feuer geläuterten Menschheit zu verwirklichen. Nur Ethan Hunt und sein Team scheinen fähig, den diabolischen Plan zu sabotieren. Doch erst müssen sie ihre eigene Haut retten, nachdem ihnen ein Bombenanschlag im Kreml angelastet wird.

Perfekt choreografierte Action, irrwitzige Verfolgungsjagden, futuristische Technik-Gadgets und spektakuläre Schauplätze sind Pflicht bei einer 140-Millionen-Dollar-Produktion, doch sie geraten hier nie zum Selbstzweck. Selbst die – natürlich ohne Stuntdouble durchgeführte – Fassadenkletterei von Tom Cruise am 800 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai ist nicht nur Schauwert, sondern in eine dramaturgisch meisterhafte Sequenz eingebunden. Zudem ist „Phantom Protokoll“ erfreulicherweise keine Cruise-Soloshow, sondern dank vorzüglicher Nebendarsteller wie Simon Pegg und James Renner tatsächlich so etwas wie ein Ensemblefilm. Der spannendste Actionkracher des Jahres ist er sowieso. Großes Kino.Jörg Wunder

USA 2011, 133 Min., R: Brad Bird, D: Tom Cruise, Michael Nyqwist, Simon Pegg, Paula Patton

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