Zeitung Heute : THRILLER

Die Stadt der Blinden

Julian Hanich

Ein merkwürdiges Virus lässt Menschen erblinden, sobald sie einem Infizierten in die Augen blicken. Die Regierung steckt die Kranken in einer ehemaligen Irrenanstalt in Quarantäne. Nur eine Frau scheint immun. Die Adaption von „Die Stadt der Blinden“ spitzt zu, was schon im Roman von José Saramago angelegt ist: ein Lamento über die zwischenmenschliche Distanz in der globalisierten Welt. Doch ausgerechnet dieser moralischen Geschichte über den Verlust von Gefühlsnähe fehlt es an emotionaler Überzeugungskraft. Zum einen werden die namenlosen Figuren zu sehr in den Dienst der Parabel genommen und gewinnen deshalb wenig Konturen. Zum anderen unterminiert Regisseur Meirelles mit seinem aufwendigen Versuchen, das Thema auch formal ins Auge stechen zu lassen, sein inhaltliches Anliegen. Nur halb geglückt. Julian Hanich

„Die Stadt der Blinden“,

Kanada/Brasilien/Japan, 121 Min., R: Fernando Meirelles, D: Julianne Moore, Mark Ruffalo

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