Zeitung Heute : Thüringen: Bildung statt Prügelgeschichten - Im ehemaligen Kloster Veßra wird Heimatgeschichte lebendig

Vom 2. Juli bis 10. September findet der "Kün

Irgendwann schließt sich der Kreis der Geschichte. Die Schenke im südthüringischen Kloster Veßra hatte einst einen üblen Ruf und war 1514 - urkundlich belegt - Schauplatz wilder Schlägereien und Messerstechereien. Das 869 Jahre alte Kloster ist heute das "Hennebergische Museum" Kloster Veßra. Die Mönche sind schon lange verschwunden und die Museumsleitung will die alten Sauf- und Prügelgeschichten nicht mehr in den Mittelpunkt rücken. Heute steht Bildung auf sechs Hektar Fläche im Programm.

Auf dem Museumsgelände, das noch vollständig mit der 780 Meter langen alten Klostermauer umgeben ist, befinden sich zahlreiche romanische und gotische Klostergebäude, seit dem 16. Jahrhundert entstandene Wirtschaftsgebäude sowie ein kleines "Dorfmuseum". Vom repräsentativen Wohnhaus bis zum kleinen Bienenhäuschen wird hier bäuerliche Fachwerkarchitektur gezeigt. Das älteste Bauernhaus stammt aus der Zeit um 1700. Das jüngste ist ein Neubauernhaus von 1948, in dem sogar das alte Röhrenradio in der Stube erhalten ist. Ausschließlich dem Untergang geweihte Objekte aus verschiedensten Regionen des so genannten Henneberger Landes wurden an ihrem Ursprungsort abgebaut und in Kloster Veßra neu errichtet. Mehr als 40 000 Besucher haben die Ausstellungen im vergangenen Jahr gesehen.

Während der Bildungsstand der Kleriker im 16. Jahrhundert nur als miserabel bezeichnet werden konnte, lockt das Museum heute mit einem vielfältigen Ausstellungs- und Aktionsprogramm. So wird zu bestimmten Anlässen Getreide gedroschen, Korn in einer alten Wassermühle gemahlen und Brot im historischen Backhaus gebacken. Das Wahrzeichen des Klosters, der ehemaligen Kirche St. Marien aus dem Jahr 1138 - durch Bischof Otto I. von Bamberg geweiht -, brannte im März 1939 aus und das Mittelschiff stürzte ein. Seit damals stehen nur noch die Umrandungsmauern und der imposante zweitürmige Westbau, dessen Silhouette bis heute das Ensemble prägt.

Bis 1975 wurde das Kloster eher stiefmütterlich behandelt. Erst vor 25 Jahren wurde das "Agrarhistorische Museum des Bezirkes Suhl" eingerichtet. Die Orientierung auf die Landwirtschaft mit originalen Bauernhäusern und historischer Technik stellte sich aber immer noch als zu eng heraus. Erst mit der 1990 eingeleiteten Umstrukturierung zum "Hennebergischen Museum" wurde die regionale Geschichte und Volkskunde verstärkt in Angriff genommen. Angelehnt an die Milieudarstellungen in den Fachwerkhäusern sind die Gartenanlagen nach historischem Vorbild gestaltet.

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