Zeitung Heute : Thüringens Schulpraxis ist unmenschlich hart

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Betrifft: Die Gedanken der Schüler

Ich bin Klassenlehrerin einer siebten Gymnasialklasse in Berlin Rudow und habe natürlich am Montag nach dem Amoklauf ausführlich mit meiner Klasse über die möglichen Ursachen dieses schrecklichen Ereignisses diskutiert. Mehrere mir wichtig erscheinende Beobachtungen würde ich nach Lektüre dieser Stellungnahmen gerne der Öffentlichkeit mitteilen: Fast alle Jungen dieser Klasse kennen die gewaltverherrlichenden Computerspiele, die bei dem Schüler Robert zu Hause gefunden wurden. – Fast kein Mädchen kennt sie oder interessiert sich auch nur dafür, sie kennen zu lernen.

Fast alle, die keine Erfahrungen mit den Spielen gemacht haben, halten die gewaltverherrlichenden Spiele für einen Hauptanreiz zum Amoklauf. Fast alle, die die Spiele kennen, finden, dass die gewaltverherrlichenden Spiele möglicherweise Mit- aber keinesfalls Hauptursache für die schlimmen Ereignisse in Erfurt gewesen sein dürften.

Worin sich alle Anwesenden (ich eingeschlossen) einig waren, ist, dass die Thüringer Praxis, dass ein Schüler, der das Abitur nicht schafft, in der Regel lediglich maximal mit dem Hauptschulabschluss ins Erwachsenenleben entlassen wird, unmenschlich hart ist.

Helgard Wagner, Berlin-Rudow

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