Zeitung Heute : Tiefen und Höhen

Der Superstar der Paralympics, Oscar Pistorius, wird überraschend geschlagen - und findet den Weg zurück zum Erfolg.

NICO FEIßT[19 JAHRE]
Favoritensturz. Alan Oliveira (links) holt über 200 Meter Gold vor Oscar Pistorius.
Favoritensturz. Alan Oliveira (links) holt über 200 Meter Gold vor Oscar Pistorius.

Oscar Pistorius schien für seine Gegner unerreichbar. Nach der Olympia-Teilnahme war für alle klar, dass die Paralympics für ihn ein Selbstläufer sein würden. Es kam anders: Den Nimbus des Unbesiegbaren hat er in London durch zwei Niederlagen verloren.

Tief enttäuscht war Pistorius nach seiner Niederlage im 200-Meter-Finale. An seiner gebrochenen Stimme hörte man, dass er noch nicht realisiert hatte, was passiert war: Er, die Legende, die noch nie über die 200 Meter verloren hatte, wurde vom 20-jährigen Alan Oliveira aus Brasilien düpiert. Dann spitzte sich die Situation zu: Pistorius, dem immer vorgeworfen wurde, er hätte durch seine Prothesen Vorteile, kritisierte Oliveira wegen zu langer Stelzen. So brachte er eine neue Techno-Doping-Diskussion ins Rollen – und seine Kritiker dazu, ihn als schlechten Verlierer zu bezeichnen.

Nachdem er zwischenzeitlich mit der Staffel Gold in Weltrekordzeit holte, entkräftete er einen Tag später den Vorwurf, er könne nicht verlieren, als er im 100-Meter-Finale völlig leer ausging und sich dennoch freute: „Ich gönne es Peacock und auch Fourie, er ist mir seit Jahren eine Stütze, ich freue mich sicher mehr für ihn, als er selbst.“

Die etwas aufgesetzte Freude wandelte er dann in Kraft um: Beim souveränen Lauf zu Gold über 400 Meter demonstrierte er seine Klasse. Man konnte sehen, dass Oliveira noch einiges an Training fehlt, um dem großen Idol auch über die Stadionrunde gefährlich werden zu können. Bis 2016 kann sich das ändern. Zwei Dinge scheinen aber sicher: Pistorius muss sich entscheiden, ob er in Rio bei Olympia oder bei den Paralympics starten will. Zudem sollten die Verantwortlichen beim Umgestalten der Regeln auf ihren Superstar hören, denn ohne Pistorius wäre die paralympische Bewegung mit Sicherheit nicht dort, wo sie heute ist.

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