Zeitung Heute : Tiere füttern

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Heike Jahberg

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Kinder lieben Tiere. Deshalb verbringen Eltern viele Stunden ihres Lebens im Zoo. Auch wir. Mindestens einmal im Monat sind wir im Zoo (West) oder im Tierpark (Ost) unterwegs. Hunderte von Euro haben wir inzwischen in den Zoologischen Gärten dieser Stadt gelassen - wahrscheinlich wären wir billiger davon gekommen, wenn wir uns selbst einen Elefanten gekauft und ihm ein hübsches Gehege in unserem Garten gebaut hätten.

Die größte Tierfreundin in unserer Familie ist Linda (3). Allerdings beginnt sich ihre Begeisterung für den Zoo (West) inzwischen ein wenig abzukühlen. Zu Recht, denn die meisten Zoobewohner ziehen wirklich nichts weg. Die Nashörner trotten apathisch durch ihr Gehege, die Büffel stehen in der Gegend herum, und die Murmeltiere schlafen sieben Monate im Jahr. Einzig im Frühling geht die Post ab. Dann geben sich die Tiere hemmungslos und exhibitionistisch ihrem Liebesleben hin – sehr zur Verwunderung von Linda. „Kann der Bison nicht mehr laufen?" wollte sie wissen, als das Männchen jüngst von hinten auf das Weibchen sprang.

Tom (7) interessieren solche Dinge überhaupt nicht. Er will in den Zoo, weil er weiß, dass er dort Schnitzel, Pommes und Cola bestellen darf. Cooler findet er aber den Tierpark. Denn dort gibt es nicht nur Schnitzel, Pommes und Cola, sondern auch Elektroautos, mit denen die Kinder herumfahren dürfen. Die Autos sind der absolute Höhepunkt, deshalb kommen sie bei unseren Tiergarten-Touren immer erst zum Schluss.

Amüsiertechnisch gesehen, leiden die etablierten Zoologischen Gärten unter einem großen Manko. Man kann die Tiere nicht anfassen, man darf auf ihnen nicht reiten, und das Füttern ist auch verboten. Nur in den Streichelgehegen sind diese Verbote gelockert. Mit verheerenden Folgen. Im West-Zoo stürzen täglich Hunderte Kinder mit Händchen voller Futter auf die versammelten Schafe und Ziegen. Selbst die gefräßigsten Tiere sind irgendwann mal satt. Und dann muss man den undankbaren Viechern das teuer gekaufte, langsam in der Hand aufquellende Trockenfutter wie Sauerbier anbieten. Schön blöd.

Dann fahren wir doch lieber in einen der kleinen Tierparks im Umland. Davon gibt es viele. In Geltow bei Caputh können Sie beispielsweise den Besuch des dortigen Streichelzoos mit einem kleinen Ausflug ins Brandenburger Umland verbinden. Näher an Berlin ist der Vogelpark Teltow, nur wenige Autominuten von Zehlendorf entfernt.

Im Teltower Vogelpark wohnen ein paar Papageien und ein Kakadu, aber vor allem Ziegen, Ponys, Schweine und Kaninchen. Die Ziegen, Pferde, Hirsche und Esel darf man nach Herzenslust füttern, auf den Ponys kann man reiten. Die Kaninchen darf man aus ihren Verschlägen nehmen und streicheln. Für Kinder ist das ein tolles Erlebnis, für die Kaninchen weniger. Denn die sitzen angstschlotternd in ihren Käfigen und hoffen, in Ruhe gelassen zu werden. Doch im Showgeschäft gibt es keine Gnade. Sorry, Häschen.

Tierpark Geltow, Auf dem Franzensberg 7, 14542 Geltow, Tel.: 03327/55091; Vogelpark Teltow, Feldstraße 30a, 14513 Teltow, Tel.: 03328/41678.

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