Zeitung Heute : Tierheim nimmt keine Kampfhunde auf

Der Tagesspiegel

Von Annekatrin Looss

Die Hundekäfige des Berliner Tierheimes sind voll. „Wir können keinen einzigen Kampfhund mehr aufnehmen“, sagt der Leiter des Heimes, Volker Wenk, am Dienstag. „Jeden Kampfhund, den uns die Behörden nachts oder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ins Heim schmuggeln, werden wir dem Amtstierarzt an den Schreibtisch binden.“ Schon vor rund einem halben Jahr hat das Tierheim aus diesem Grund den Vertrag mit dem Land Berlin gekündigt.

Mit Einführung der neuen Kampfhundeverordnung hatte sich das Tierheim verpflichtet, die von der Polizei sichergestellten Hunde aufzunehmen. Trotz Kündigung liefert die Polizei die Tiere Monat für Monat in der Tiersammelstelle des Tierheimes ab – 67 allein in diesem Jahr. Dies geschieht seit Oktober in Nacht-und-Nebel-Aktionen. „Während früher die Amtstierärzte vor der Aufnahme bei mir anriefen, kommt die Polizei jetzt nachts und schließt die Hunde bei uns ein.“ Er sei unglaublich wütend, sagt Wenk. Er wisse nicht mehr, wohin mit den Tieren.

Noch 217 der rund 5000 in Berlin offiziell gemeldeten Kampfhunde haben keine Plakette. Einzelne Bezirke, darunter Lichtenberg, haben damit begonnen, diese Tiere einzufangen. Der Bezirk Neukölln werde dem Lichtenberger Beispiel folgen, so Amtstierärztin Sabine Hindrich-Joswig. Während der Bezirk Lichtenberg die Hunde in einer Nauener Pension für acht Euro pro Hund und Tag unterbringen möchte, lässt die Neuköllner Amtstierärztin offen, was mit den Tieren geschieht. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe er sechs Hunde aus diesem Stadtbezirk morgens plötzlich in den Käfigen gefunden, sagt Wenk. Auch in der Senatsgesundheitsverwaltung gab es zum Verbleib der Tiere keine konkreten Angaben. Die Hunde unterzubringen sei Aufgabe der Bezirke, sagt die Sprecherin Roswitha Steinbrenner. Darüber hinaus gebe es noch Kapazitäten im Land Brandenburg.

Wenk bezweifelt das. Zuletzt habe er in ganz Europa nach Möglichkeiten gesucht, die Hunde unterzubringen. „Kampfhunde will in Deutschland keiner mehr.“ Nach Strausberg, Nauen und Bayern hat er insgesamt schon 120 Tiere vermittelt. 60 müsste er noch loswerden, um im Tierheim wieder den normalen Betrieb gewährleisten zu können. Angesichts der finanziellen Lage Berlins, die einen Neubau von Hundekäfigen ausschließt, sei eine Lockerung der Kampfhundeverordnung die einzige Lösung.

Auch mit der alten Verordnung hätten die geschehenen Unfälle verhindert werden können, glaubt Wenk. Man hätte sie nur wirklich umsetzen müssen. Von den Hunden, die im vergangenen halben Jahr im Tierheim abgegeben wurden, sei keiner verhaltensauffällig gewesen. „Wir mussten schon seit Monaten kein Tier mehr einschläfern.“ Oftmals fehle den Besitzern einfach das Geld für Unbedenklichkeitsprüfung und Plakette.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben