Zeitung Heute : Tierpark-Chefs zeigen Sarrazin die Zähne

Der Tagesspiegel

Von Claudia Keller

Die Sparmaßnahmen von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) machen womöglich selbst vor den Löwenkäfigen nicht halt. „Die Haushalte der beiden Tiergärten werden genauso geprüft wie alles andere auch“, sagt Claus Guggenberger, der Sprecher des Finanzsenators. Die Förderung von zwei Tiergärten sei eine „aufwändige, teilungsbedingte Mehrausstattung“, so Guggenberger. Den Tierpark und den Zoo genauer unter die Lupe zu nehmen, sei aber keine neue Idee von Finanzsenator Sarrazin.

Das weiß auch Bernhard Blaszkiewitz, der Direktor des Tierparks in Friedrichsfelde: „Mit jedem neuen Finanzsenator kommt die Idee, bei den Tiergärten zu sparen. Das sind wir gewöhnt.“ Zuletzt habe 1997 Sarrazins Vorgängerin Annette Fugmann-Heesing davon gesprochen. „Das ist ein unüberlegter Schnellschuss“, sagt Manfred Bienge vom Förderverein des Tierparks, „Sarrazin hat mit uns nicht gesprochen.“ Dafür haben gleich gestern etliche Besucher zum Hörer gegriffen. „Die wollten wissen, wo die Unterschriftenlisten liegen“, sagt Bienge. Der Förderverein wolle aber erst einmal abwarten, bis sich der Senat konkret äußere. 1993, als der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen die Schlangenfarm schließen wollte, hatte der Förderverein binnen zwei Wochen 40 000 Unterschriften zusammen.

Eine Schließung des Tierparks hält man in den Chefetagen des Tierparks und des Zoos für absolut abwegig. „Wo sollen denn all die Tiere hin?“, fragt Tierpark-Direktor Blaszkiewitz. Der Zoo schließlich könnte „höchstens eine Handvoll der Tiere“ übernehmen. Und verkaufen könne man die Tiere auch nicht. Das Washingtoner Artenschutzgesetz schreibe fest, dass seltene Großtiere „nicht verhandelbar“ sind.

Könnten die Tiergärten mit Kürzungen der Zuschüsse leben? „Nein“, sagt Peter Czupalla, der kaufmännische Direktor der beiden Tiergärten. „Seit 1994 haben wir brav alle Kürzungen mitgemacht, die Fahnenstange ist erreicht“. Der Zoo bekam letztes Jahr rund 3,4 Millionen Euro vom Land (1994: 5,6 Millionen Euro). Zwei Drittel seiner Kosten erwirtschaftet der Zoo durch Eintrittsgelder, Spenden oder Lottomittel.

Den Tierpark hat Berlin letztes Jahr mit 8,5 Millionen Euro unterstützt (1994 12 Millionen). Für den Tierpark sei es durch die randständige Lage schwer, private Sponsoren zu finden. Deshalb werden dort nur ein Drittel der Kosten durch Eintrittsgelder, Spenden oder Lottomittel gedeckt. Aber vor wenigen Tagen erst kam die Zusage der Lottostiftung über drei Millionen Euro, mit denen das Gehege für die Gebirgstiere ausgebaut werden soll.

Bei den Personalkosten „geht kaum noch was“, sagt Blaszkiewitz. 261 Mitarbeiter kümmern sich in Friedrichsfelde um 9458 Tiere und 160 Hektar Land, im Zoo 265 Tierpfleger, Gärtner, Ärzte um 13721 Tiere auf der 33 Hektar großen Fläche. „Das Wort Synergieeffekte ist bei den Tiergärten schon lange kein Fremdwort mehr“, sagt Czupalla, „ich verkörpere es sozusagen“. Denn seit 1994 ist der Tierpark eine hundertprozentige Tochter der Zoo AG, mit dem gemeinsamen kaufmännischen Direktor Peter Czupalla. Als Tierpark-Direktor Blaszkiewitz vor einigen Monaten vorschlug, für das gleiche Gehalt auch noch die Leitung des Zoos zu übernehmen, war das keine große Überraschung. Zumindest nicht für Manfred Bienge: „Über kurz oder lang, werden bestimmt die Verwaltungen zusammengelegt zu einem Tiergarten mit zwei Standorten.“ Solche Überlegungen würden im Aufsichtsrat der Zoo AG schon seit Jahren diskutiert, bestätigt Blaszkiewitz.

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