Zeitung Heute : Timesharing: Am Image muss noch mächtig gefeilt werden

Die TUI hat dem schlechten Image der Timesharing-Branche den Kampf angesagt. Bereits im März hatte der Reiseveranstalter mit Sitz in Hannover ein Zehn-Punkte-Programm mit Regeln für die eigenen Timesharing-Projekte beschlossen. Die ersten Schritte bei der Umsetzung wurden inzwischen unternommen, wie Manfred Schönleben, Leiter des Geschäftsbereichs Ferienwohnrechte bei der TUI, bei einem Pressegespräch in Hamburg erläuterte.

Das Unternehmen ist im vergangenen November mit 51 Prozent Beteiligung an der Ferienwohnanlage Anfi del Mar auf Gran Canaria ins Timesharing-Geschäft eingestiegen. Timesharing bedeutet: Erwerb eines Nutzungsrechts an einer Ferienwohnung beispielsweise für ein oder zwei Wochen im Jahr. TUI will auf diese Vokabel aber lieber verzichten und spricht von "Ferienwohnrecht" - auch, um das Produkt aus der Schmuddelecke zu ziehen, in die Timesharing-Anbieter immer wieder geraten.

Verbraucherschützer hatten in den vergangenen Jahren regelmäßig unter anderem die Methoden kritisiert, mit denen für Timesharing-Projekte geworben wurde - mitunter sollten deutsche Urlauber buchstäblich am Strand Verträge unterschreiben. Hinzu komme, dass solche Timesharing-Nutzungsrechte in der Regel teurer seien als eine jährliche Pauschalreise in eine vergleichbare Urlaubsregion.

"Wir haben das nie bestritten", räumt Manfred Schönleben ein. Der Erwerb eines Ferienwohnrechts sei allerdings mit einer Urlaubsreise nicht zu vergleichen. Aus Sicht der TUI sei es vielmehr ein "Lifestyle-Produkt", dass vielen Deutschen ermögliche, "ein zweites Zuhause im Süden" zu haben.

Seit Anfang Mai verzichtet das Unternehmen zudem auf die direkte Ansprache von Urlaubern, ganz gleich ob aus Deutschland oder anderen Ländern. Die Behörden auf Gran Canaria gingen nach Gesprächen mit der TUI zudem dazu über, die so genannte Straßenansprache mit Werbung für Timesharing-Objekt zu verbieten.

Außerdem werden Anzahlungen nun während der Widerrufsfrist im vollen Umfang an den Kunden zurück erstattet, wenn dieser es sich anders überlegt. Die Widerrufsfrist wurde Schönleben zufolge auf 15 Tage festgelegt - länger als sowohl nach der spanischen als auch der deutschen Gesetzeslage vorgeschrieben.

Nach Einschätzung des Unternehmens hat der Markt erhebliche Wachstumspotenziale. Deutschland sei in dieser Hinsicht ein ausgesprochener Nachzügler. In Großbritannien gebe es doppelt soviele Besitzer von Ferienwohnrechten.

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