Zeitung Heute : Tödliches Exponat

Der Tagesspiegel

Erst haben viele gedacht, der Tod von zwei deutschen und drei dänischen Soldaten beim Raketenentschärfen in Kabul sei ein Unfall gewesen, wie er sich nie ganz ausschließen lasse. Nun mehren sich Indizien für gravierendes menschliches Fehlverhalten. Das böse Wort von der „Souvenirjagd“ steht im Raum. Das könnte zu der Vermutung verleiten, die Soldaten nehmen ihre Aufgabe nicht ernst genug. Junge, abenteuerlustige Männer, die auf die Sicherheitsvorschriften pfeifen - wie die alkoholisierte Besatzung des bei Hamburg abgestürzten Hubschraubers. Doch vielleicht tut man der Afghanistantruppe damit Unrecht. Womöglich haben die Soldaten die außergewöhnliche Bedeutung ihrer Friedensmission ernst genommen - so ernst, dass sie sich eine Erinnerung verschaffen wollten. Später, daheim, wollen sie nicht nur erzählen, sondern zeigen können, was sie geleistet haben: für Afghanistan, aber auch für Deutschland. Ein Exponat im Unteroffiziersheim soll daran erinnern. Das ist etwas anderes als gedankenlose Abenteuerlust. Oder ein krimineller Trunkenheitsflug. Und wurde doch tödlich bestraft. Der Tod fragt nicht nach den Motiven menschlichen Fehlverhaltens. Nicht in Hamburg. Und nicht in Kabul. cvm

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