Zeitung Heute : Tödliches Versagen

Der Tagesspiegel

Von Ekkehard Schwerk

Wieder kam gestern ein Kind auf einem Spielplatz ums Leben. Wieder war es die Kordel seiner Kapuze, die sich an einer Rutsche verfangen hatte. Das wurde dem Dreijährigen zum Verhängnis. Vor einem Jahr war es ein Zweijähriger. Und auch das war nicht der erste Fall.

Es wird ungefähr zwei Jahrzehnte zurückliegen, als sich meiner Erinnerung nach die gleiche Spielplatz-Tragödie ereignet hatte. Und gestern hatte eine hiesige Zeitung berichtet, dass der TÜV bei Spielplatz-Überprüfungen viele Rutschen als lebensgefährlich für Kinder einstufte.

Dann wären also diese Tragödien vermeidbar gewesen. Und wiederholen sich dennoch. Also liegt hier kein schicksalhaftes Unglück vor, sondern ein tödliches Versagen. Die Kriminalpolizei hat gestern nach ersten Ermittlungen nichts gefunden, was auf eine Aufsichtsverletzung hinweist.

Wo liegt also das Versagen? Es liegt offenbar in der Gewöhnung an jedwede Risiken, seien es Rutschen, Kapuzen und Spielgeräte, die zu beherrschen über Kindeskräfte geht, sie schließlich umbringen. Und das in einer Gesellschaft, die sich bis ins Kleinste hin abzusichern sucht.

Wenn sich herausstellen sollte, dass es an Kräften fehlt, lebensgefährliche Spielgeräte sofort zu entfernen, Kinder hinreichend zu behüten, dann schreite eine beherzte Bürgerschaft energisch ein!

Wo alles bis ins Lächerlichste nach Normen geregelt und überwacht wird, darf es doch nicht „normal“ sein, dass der Tod leichtes Spiel hat, sich Kinder beim Spielen unter freiem Himmel zu holen.

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