Zeitung Heute : Togo – Schweiz 0 : 2

WM-Stadion Dortmund, 19. Juni 2006, 65 000 Zuschauer

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Der Schweizer an sich ist ein ulkiger Geselle. Wenn es ihm im Tribünenaufgang zu drängelig wird, ruft er verzweifelt: „Eine Reihe bilden, bitte!“ Im Übrigen ist in der Schweiz die Monarchie ausgerufen worden. Davon zeugt zumindest ein Transparent, das „Kaiser Köbi“ gewidmet ist, dem gütigen, stets etwas onkelhaft daherkommenden Trainer der Schweiz. Überhaupt ist das Stadion fest in Schweizer Hand, ein Meer in Rot, in dem sich die wenigen gelb-grünen Farbtupfer der Togolesen verlieren. Warum sagt eigentlich niemand mehr Togolesen? Früher, als Bachirou Salou noch in der Bundesliga spielte, war er ein Togolese. Heute aber sagen auf einmal alle Togoer. Salous Erben, die von Prämienstreit über Trainerflucht bis Streikandrohung bei dieser WM schon so einiges mitgemacht haben, sind eine Halbzeit lang die bessere Mannschaft. Das Tor machen trotzdem die Schweizer. Nach der Pause haben die Togolesen respektive Togoer ihr Pulver verschossen, was ihren Star Adebayor, eine Diva erster Kajüte, zu noch mehr abfälligen Gesten in Richtung der Mitspieler veranlasst. Und der Kopf von Coach Otto Pfister ist irgendwann so rot wie die Kleidung der Schweizer Fans. Die singen schon vom „Finale“ – war aber bestimmt nur ein Scherz. Jens Kirschneck

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