Zeitung Heute : Tor! Tor! Tor!

Maren Meinert hat mit der deutschen Frauennationalmannschaft vor drei Jahren einen Weltmeistertitel gewonnen. Heute trainiert sie den DFB-Nachwuchs.

Foto: Andreas Teichmann Text: Bernd Müllender

Ja, die Männer, unsere Helden von Bern, von München, Rom und sonstwo. Stolze sechs große Turniererfolge haben sie seit 1954 zustande gebracht. Und die deutschen Frauen? Die haben sieben Titel geholt, innerhalb von 14 Jahren, dazu zweimal Olympiametall. „Ach“, sagt Maren Meinert, 32, Weltmeisterin 2003, „das kann man alles nicht vergleichen.“

Meinert (92 Länderspiele von 1991 bis 2003, 33 Tore) ist eine stille Frau, die immer pointierte Antworten gibt. Wir schlendern durch die Wälder von Hennef. In der rheinischen Sportschule mit dem Ambiente der 50er Jahre leitet Meinert als neue DFB-Nachwuchstrainerin gerade einen Lehrgang. Was hat sich im Frauenfußball in den letzten 15 Jahren verändert? „Teilprofessionalisierung, mehr Trainerinnen, bessere Strukturen, Anerkennung.“ Man müsse besser fragen, was überhaupt gleich geblieben sei. Und, was? Da folgt doch ein Aber: „Dass wir trotz allem immer noch um Anerkennung kämpfen müssen.“ Weniger als ein Prozent der Zeitungssportseiten beschäftigt sich mit Frauenfußball, sagt eine Studie.

Auch der Deutsche Fußball-Bund kann seine Vorzeigefrauen vergrätzen. Bis 1999 mussten sie, auch bei einer WM, in Männertrikots spielen. Bis Dezember 2005 war Maren Meinert auf der DFB-Website noch als aktive Spielerin geführt und der Weltmeistertitel 2003 vergessen. Über zwei Jahre Rückstand – das ist, als würde Lukas Podolski noch als A-Jugendspieler des 1. FC Köln geführt. „Was, ist das wahr?“, fragt die Unterschlagene. Nur ein paar Tage später war das aktualisiert – allerdings fehlen immer noch Meinerts EM-Titel.

Der DFB hinkt der Zeit gern hinterher: Bis 1970 untersagte er seinen Vereinen den Frauenfußball. 1989, zum ersten EM-Titel, überreichten die Funktionäre den Damen ein hausfrauengerechtes Porzellanservice als Präsent. Wahrscheinlich meinten es die Herren gut. „Wir geben in jedem Spiel Vollgas, weil wir immer Werbung für Frauenfußball machen“, sagt Meinert.

Männer seien so oft Ergebnisverwalter, kühl und strategisch. „Wir versuchen auch bei 2:0 weiter Tore zu schießen.“ Und dennoch, den Männern fällt so vieles in den Schoß. „Ich bin eifersüchtig, wenn ich Spieler sehe, männliche, die vor 80 000 Fans spielen. Ich bin neidisch, dass die Herren in so tollen Stadien spielen können. Das wissen manche gar nicht zu schätzen.“

Meinert hat drei Jahre, von 2001 bis 2004, in Boston gespielt, wo sie 2003 zum „Most Valuable Player“ in der US-Profiliga gewählt wurde, zur Spielerin des Jahres. „Fußball ist in den USA Frauensportart Nummer eins. Die Amerikaner haben großen Respekt vor weiblichen Athleten. Die Deutschen sind erst auf dem Weg dahin.“ Meinert, die selbst keine Kinder hat, erzählt von ihrer ehrenamtlichen Mitarbeit in einem Fußballcamp in Essen: „Lauter Fünfjährige, ohne jeden Leistungsgedanken, nur mit Spaß dabei.“ Sie strahlt: „Das ist so schön mit Kindern, die kaum größer sind als ein Ball. Das ist einfach nur toll.“

2003, in ihrem letzten Spiel, dem WM-Finale gegen Schweden (2:1), hat Maren Meinert den Ausgleich erzielt. „Das Tor“, sagt sie mit einer ihrer typischen Minimal-Eruptionen von Lachen an unerwarteten Stellen, „hat mein Leben aber nicht verändert“.

Geändert hat sich schon etwas: „Vorher, auch schon als Europameisterin, gab es einen netten Applaus, wenn man irgendwo vorgestellt wurde, so nach dem Denken: Ja, sieh an, die können ja auch kicken, die Frauen. Nach der WM war es eine ganze andere Art von Applaus.“

Und was ist mit der Männer-WM, das gibt es doch noch andere Applaus-Eruption? „Ich bin infiziert wie ein ganz normaler Fan“, sagt Meinert, sie sei „dankbar, dass ich im besten Alter eine WM im eigenen Land erleben darf.“ 1974 war war sie erst knapp ein Jahr alt. Und, was glaubt sie, wer wird Weltmeister?

„Na, Deutschland!“ Und ernsthaft? Sie hebt die Schultern. „Brasilien sagen alle.“ Doch dann setzt sie doch auf den im Moment landestypischen Fußball-Voodoo. „Man muss daran glauben, dass Deutschland Weltmeister werden kann.“

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