Zeitung Heute : Tote bei Loveparade in Duisburg

Gerd Schild[Duisburg]

Bei einer Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg sind am Samstag mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Bis zu 100 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, einige mussten reanimiert werden. Zu der Panik war es in einem Tunnel vor dem Loveparade-Gelände am ehemaligen Duisburger Güterbahnhof gekommen. Der Tunnel war der einzige und offizielle Zugang zum Veranstaltungsgelände und das Nadelöhr der Veranstaltung. Die Massenpanik war nach Angaben des städtischen Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe durch Besucher ausgelöst worden, die Sicherheitszäune überstiegen hatten, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Einige stürzten dabei von einer Treppe. Dadurch sei offenbar eine „Kettenreaktion“ ausgelöst worden, durch die mindestens neun Frauen und sechs Männer starben. Nach ersten Schätzungen waren rund 1,4 Millionen Besucher bei der Loveparade.

Die Katastrophe hatte sich bereits vorher angekündigt, als die Ordner am Eingang nur ganz langsam die Besucher auf das Gelände ließen, während hinten durch den Tunnel immer mehr Menschen nach vorne drängten. Einzelne Raver riefen schon früh die Polizei an, als klar wurde, dass die Lage im Tunnel prekär werden könnte. Schon am Bahnhof war die Lage außer Kontrolle geraten. Menschen liefen über die Gleise, der Bahnhof und der Weg zum Veranstaltungsgelände war dem Ansturm nicht gewachsen.

Laut Stadtverwaltung entschloss sich der Krisenstab, aus Sicherheitsgründen die Loveparade nicht abzubrechen. Die Notausgänge des Geländes wurden aber geöffnet. Die Musik auf dem Gelände der Loveparade wurde so lange gespielt, bis alle Besucher das Gebiet verlassen hatten. Zum Zeitpunkt des Unglücks war das Gelände noch nicht voll gewesen.14 Hundertschaften der Polizei waren zum Ende der Parade im Einsatz. 120 Busse wurden geordert, die die Besucher nach Hause bringen sollten. Die Polizei richtete eine Notrufnummer unter 0203-94000 ein.

Polizei- und Rettungswagen mussten auf der benachbarten Schnellstraße zum Großeinsatz fahren, Sanitätshubschrauber auf der Autobahn 59 landen. Der Sprecher der Stadt Duisburg wies den Vorwurf zurück, das Gelände sei für die Veranstaltung zu klein gewesen. Es sei ausreichend Platz für die Besucher gewesen, betonte er. Beobachter sahen das anders. Nach ihrer Aussage musste die Feuerwehr anrücken und die schweren Zäune öffnen, als es eng wurde. Es ist völlig unklar, warum das Gelände schwer umzäunt worden war.

Der Gründer und langjährige Organisator der früheren Loveparade in Berlin, DJ Dr Motte, hat den Organisatoren der Duisburger Nachfolgeveranstaltung „schwere Managementfehler“ vorgeworfen. „Das hätte man im Vorfeld verantwortungsvoller planen müssen“, sagte er am Samstagabend dem Tagesspiegel. Das Gelände einer solchen Großveranstaltung, wie in Duisburg geschehen, rundherum abzuzäunen und nur einen einzigen Zugang zu lassen, noch dazu einen von Mauern begrenzten, sei „ausgesprochen riskant.“ Die einstige Berliner Loveparade zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor sei hingegen von allen Seiten „immer frei zugänglich“ gewesen. Die Duisburger Tragödie habe ihn „extrem schockiert und traurig gestimmt“, sagte Dr. Motte, der mit der Loveparade seit 2006 nichts mehr zu tun hat. Seit 2007 findet die Veranstaltung im Ruhrgebiet statt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich tief betroffen: „In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer.“ Auch Nordrhein-Westfalens neugewählte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Innenminister Ralf Jäger äußerten sich bestürzt. mit ddp/dpa

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