TOTENMESSEDonald Runnicles dirigiert Berlioz : Bizarre Klangfarben

Uwe Friedrich

Im Wettbewerb um die größte Orchesterbesetzung spielt Hector Berlioz ganz vorne mit. Für seine Große Totenmesse wünschte er sich alleine für das Hauptorchester 180 Instrumente, davon 16 Pauken und 10 Becken. Hinzu kommen noch vier Fernorchester mit Dutzenden von Blechbläsern aller Art. Auf den ersten Blick könnte man meinen, Berlioz wollte die Toten gleich wieder aufwecken, von denen er musikalisch Abschied nimmt. Doch der Schein trügt, denn über weite Strecken sitzen die vielen Musiker untätig auf und hinter dem Podium. Nur in überraschend wenigen Momenten setzt Berlioz den großen Apparat in Bewegung. Die allerdings haben es in sich und verblüffen auch mehr als 170 Jahre nach der Komposition todsicher jeden Zuhörer. Ein selten zu erlebendes Vergnügen, denn nur wenige Veranstalter können sich diesen massiven Aufwand leisten.

Und dann muss auch noch ein Dirigent gefunden werden, der bei diesem Massenaufgebot nicht den Überblick verliert und die bizarre Klangfarbenmischung des französischen Exzentrikers aufblühen lässt. Die Philharmoniker haben dafür Donald Runnicles verpflichtet, und deshalb ist der Abend auch für Berliner Opernfreunde von erhöhtem Interesse. Denn der Schotte wird ab der übernächsten Spielzeit Generalmusikdirektor der Deutschen Oper und muss dann mit den großen Schinken des romantischen Repertoires klarkommen. Dass er das kann, hat er nicht nur an der Oper von San Francisco bewiesen. Für zusätzlichen Glanz sorgt Tenor Joseph Kaiser, der bei den Salzburger Festspielen einhellig umjubelt wurde. Und natürlich die Pauken und Trompeten. Uwe Friedrich

Philharmonie, Do-Sa 15.-17.5. 20 Uhr, ausverkauft

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