Zeitung Heute : "Tourism for development": Liege am Strand und tue Gutes damit

Tsp

Die Vorstellung ist verlockend: Beim Badeurlaub faul in der Sonne liegen und dabei zugleich ein gutes Werk tun. Nun hat uns zwar erst in der vergangenen Woche ein deutscher Professor wissen lassen, dass nur Faulenzen im Urlaub der Intelligenz - so vorhanden - abträglich ist. Um so mehr beruhigt uns nun folgende Nachricht des Ägypters Mustafa El Gendy, der den Urlaub mit dem "Gute Gewissen-Faktor" propagiert. Der Ägypter hat nämlich 1998 gemeinsam mit der Französin Arielle Renouf die in Paris ansässige internationale Organisation "tourism for development (Tourismus für Entwicklung) gegründet. Mit ihrem Konzept wirbt sie für einen "ethisch korrekten Urlaub". Intelligenz hin oder her. Bislang hat die Organisation vor allem in Frankreich von sich reden gemacht, jetzt will sie auch in Deutschland aktiv werden. Erste Kontakte zu Unternehmen wie der TUI in Hannover sind nach El Gendys Angaben bereits geknüpft.

"Tourism for development" will eine Massenbewegung unter Urlaubern auslösen, um Druck auf die Reisebranche auszuüben. "Wenn sich möglichst viele Touristen in einer Charta verpflichten, nur noch bei Unternehmern zu buchen, die ethisch korrekten Urlaub anbieten, kostet das die Urlauber nichts, schafft aber Druck auf die Unternehmen", glaubt El Gendy.

Die beteiligten Unternehmen finanzieren mit einem Beitrag von einem Prozent und maximal einem US-Dollar (derzeit etwa 2,18 Mark) pro verkaufter Übernachtung Projekte in Urlaubsländern. Sie bekommen dafür ein Gütezeichen und werden auch in einem Katalog ethisch einwandfreier Unternehmen aufgelistet. In elf Ländern hat die Organisation nach eigenen Angaben bereits Partnerfirmen geworben, darunter in Frankreich, den USA, Ägypten und Costa Rica.

Es gehe nicht zuletzt auch um den Schutz des Urlaubers: "Die Geiselnahme von Jolo oder das Massaker in Luxor sind die besten Beispiele dafür", sagt El Gendy, dessen Jugendfreund 1997 nahe der ägyptischen Stadt Luxor gemeinsam mit 58 europäischen Touristen im Kugelhagel fanatischer Moslems starb. Unter dem Eindruck dieses Massakers startete El Gendy sein Projekt. Die Argumentation des 40-Jährigen: "Wir müssen uns gegen die Gewalt stemmen, um uns die Freiheit zum Reisen zu erhalten. Die beste Art, die Gewalt zu bekämpfen, ist aber der Kampf gegen das Elend."

Bei der Hilfe am Ort, die die Reiseveranstalter unterstützen sollen, schweben dem Ägypter Kurzzeit-Projekte vor, die unter Beteiligung der örtlichen Bevölkerung die Grundversorgung mit sauberem Wasser oder sanitären Einrichtungen sichern. "Menschen, die vom Tourismus profitieren, bekämpfen ihn nicht", sagt El Gendy.

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